Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2012
Satte Geschäfte
Wie Spekulanten Hunger machen
Der Inhalt:

Gott spricht im Traum

von Wolfgang Stegemann vom 04.07.2012

Seit nunmehr dreißig Jahren ist die internationale Paulus-Forschung dabei, die traditionelle Deutung der paulinischen Theologie umzukrempeln. Nicht zufällig werden die zum Teil gravierenden Änderungen, die sich dabei ergeben haben, mit dem englischen Begriff »the new perspective on Paul« zusammengefasst. Denn es waren vor allem englischsprachige Bibelwissenschaftler aus den USA und Großbritannien, die diese neue Paulus-Perspektive begründet und entscheidend geprägt haben.

Es ist von daher keine Überraschung, dass in der »new perspective« nicht mehr damit gerechnet wird, dass Paulus in seinem »Damaskus-Erlebnis« einen Religionswechsel, also eine Bekehrung vom Judentum zum Christentum durchlief. Denn zunächst ist zu beachten: Paulus selbst schildert seine Erfahrung in der Sprache der alttestamentlichen Prophetenberufungen, und zwar speziell in Anspielung auf die Berufungserfahrungen der (Völker-)Propheten Jeremia (1, 4-5) und Jesaja (49, 1 und 5 f.): »Als es aber dem, der mich von meiner Mutter Leibe an auserwählt und durch seine Gnade berufen hat, gefiel, seinen Sohn in mir zu offenbaren, damit ich ihn unter den (Heiden-)Völkern verkündigte, zog ich nicht Fleisch und Blut zu Rate« (Galater 1, 15 f.). Es handelt sich hier um eine Berufung zum Völkerapostel, die durch eine himmlische Offenbarung Christi als Sohn Gottes (das heißt Paulus sieht Christus in seiner himmlischen Herrlichkeit) legitimiert wurde. Das Erlebnis selbst kann man durchaus eine Vision nennen, die sich nach der Formulierung des Paulus »in ihm« ereignet hat.

Vielleicht geschah dieses »Sehen« Christi während einer Traumoffenbarung. Denn für die antiken Menschen waren die bedeutungsvollen Träume sowieso solche, die Gott ihnen hat zuteil werden lassen. Insofern war es für die antike mediterrane Kultur völlig unerheblich, wie die Erscheinung des himmlischen Christus stattfand. Wichtig war nur: In ihr hat er den Sohn Gottes gesehen, der jetzt im Himmel ist. Und diese Erfahrung hat sein Leben verändert.

Darum ist auch erneut überlegt worden, ob nicht doch der Begriff der Konversion (englisch: »conversion«) angemessener ist. Eine amerikanische Exegetin, Beverly Roberts Gaventa, unterscheidet drei sozialpsychologische Formen von »conversion« und rechnet die Erfahrung des Paulus dem Typ »Transformation« zu. Damit verbindet sie einen umfassenden Wandel rein kognitiver Art, einen Wechsel der Perspektive auf

PFplus

Weiterlesen mit Publik-Forum Plus:

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für »Publik-Forum«-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen