Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2012
Satte Geschäfte
Wie Spekulanten Hunger machen
Der Inhalt:

Der Evoluzzer

von Ute Meckbach vom 04.07.2012
Anders leben: Andreas Poldrack hat seinen Beruf als Rechtsanwalt aufgegeben, um als Weltverbesserer zu leben. Es geht ihm gut

Er hat in seinem Leben schon so viele Wenden hingelegt wie mancher in achtzig Jahren nicht. Dabei ist Andreas W. Poldrack erst halb so alt und sein Leben lang in Sachsen geblieben. Als Schüler in Bautzen war er engagiert bei den Pionieren, der staatlichen Jugendorganisation der DDR. Dann ein Taizé-bewegter junger Christ. Zu Wendezeiten ein Oppositioneller, der demonstrierte und Flugblätter tippte. Nach dem Abitur Jurastudent, der seinem Vater beweisen wollte, dass sich Geldverdienen und nach Gerechtigkeit suchen miteinander verbinden lassen. Zehn Jahre lang war er in einer Kanzlei als Rechtsanwalt angestellt und zwischendurch Mitglied bei den Violetten, der Partei für spirituelle Politik. Jetzt ist er Evoluzzer von Beruf, man könnte auch sagen: Weltverbesserer. Es geht ihm gut, sagt Andreas.

Er sitzt auf einem Sofa in der Ecke des »Alten Wettbüros«, einer Kneipe in der Dresdner Neustadt, knabbert Erdnüsse und freut sich, »dass so viele gekommen sind«: Alle zwei Wochen lädt Andreas zum Evoluzzer-Treffen. 300 Leute sind mittlerweile im Verteiler, 27 von ihnen sind heute da. Die Evoluzzer sind Andreas’ Erfindung, die Evolution ist sein Thema: »Dass wir hier beieinander sitzen, hat seinen Ursprung vor Millionen Jahren beim Big Bang«, erklärt er in seiner Sofaecke. »Damals ist ja nicht nur das physische Leben entstanden, sondern auch das Bewusstsein. Gesellschaften gründeten und entwickelten sich, und jede Stufe bedeutete einen Fortschritt. Jetzt sind wir an dem Punkt angekommen, dass wir wissen: Die Erde blutet aus. Durch den Klimawandel werden viele Menschen ihren Lebensraum verlieren. Das berührt mich. Darum will ich mit anderen darüber nachdenken, wie es weitergehen kann.«

Kühlschrank? Brauche ich nicht

Es gibt Kräutersuppe mit Weißbrot, große und kleine Biere und eine Fülle an Themen, die mit Regionalentwicklung, postfossiler Zukunft und Mitbestimmung zu tun haben. Ein junger Mann mit Rastalocken unterhält sich mit einer Frau im roten Filzkleid über Solarkraftwerke, die man auf öffentlichen Gebäuden in Dresden errichten könnte. Ein Holzgestalter will eine Internetseite einrichten, um den miserablen Zustand der Bäume in der Stadt zu dokumentieren. Und Norbert Rost, der beste Freund und Mitstreiter von Andreas, bespricht mit den Leuten vom Elbtaler e. V. den anstehenden Sta

PFplus

Weiterlesen mit Publik-Forum Plus:

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für »Publik-Forum«-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen