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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2020
Erbsünde Rassismus
Schwarze Befreiungstheologie von der Sklaverei bis zur Ermordung George Floyds
Der Inhalt:

Achtlos weggeworfen

von Gunhild Seyfert vom 26.06.2020
Immer mehr Menschen verabreden sich zum Müllsammeln

Drei Tage lang ging Birgit Schad bei ihren täglichen Runden mit dem Hund an einer leeren Zigarettenschachtel vorbei, die auf dem Bürgersteig lag. Am vierten Tag hob sie sie auf. »Seitdem, seit vier Jahren, ist kein Tag vergangen, an dem ich nicht etwas aufgelesen hätte«, sagt die sportliche Frau aus Osnabrück. Seitdem bückt sich die Sprachtrainerin für Englisch und Spanisch nach achtlos weggeworfenen Verpackungen von Süßigkeiten, nach Coffee-to-go-Bechern, Einmal-Masken und was sonst noch liegt am Wegesrand, in Wäldern und Wiesen. »Ich will nicht, dass Tiere Schaden nehmen.«

Immer wieder findet sie Tiere, die sich im herumliegenden Müll verheddern. Eichhörnchen kriechen in die Becher von McDonald’s, Mäuse verfangen sich in Flaschen und verenden dort. »Da sind auch Wut und Trauer in mir, dass so viele Leute sich null Gedanken darüber machen, was sie tun«, sagt Schad.

Anfangs sammelte sie den Müll heimlich, dann fotografierte sie die von ihr gefüllten Müllsäcke und stellte sie bei Facebook ein, schließlich gründete sie die City Cleaners Germany. Über ihre Webseite und über Facebook lädt Schad regelmäßig zu öffentlichen Müllsammelaktionen ein. Nach einer Corona-Pause gab es kürzlich wieder ein River Cleanup, eine Aktion am Hollager Kanal nördlich von Osnabrück.

Auch Pfadfinder, Naturschutzverbände und Vereine laden zu Müllsammelaktionen ein, Menschen verabreden sich auf Portalen wie nebenan.de mit Leuten aus ihrer Nachbarschaft dazu. Und zum World Cleanup Day am 19. September rufen Aktivisten in 180 Ländern dazu auf, Straßen, Parks, Strände, Wälder und Flussufer von weggeworfenem Abfall und Plastikmüll zu säubern – auch in Deutschland. Über die Webseite www.worldcleanupday.de können Kommunen, Unternehmen, Vereine, Initiativen und Privatpersonen ihre Müllsammelaktion eintragen und Informationen zur sicheren Durchführung von Aufräumaktionen gerade unter Corona-Bedingungen finden. »Wir wollen auch sensibilisieren für das Ausmaß, in dem wir unsere Umwelt mit Plastik zumüllen und zerstören«, sagt Holger Holland, Projektleiter Deutschland des World Cleanup Day.

Birgit Schad bietet seit einiger Zeit Projekte in Grundschulen an. Dort hat sie eine Schildkröte aus Plüsch mit Plastikmüll im Bauch dabei. Die

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