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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2019
Was ist heilig?
Der Inhalt:

So billig geht’s nicht

Der Discounter Aldi will für Obsttüten aus Plastik jetzt einen Cent verlangen

Der Lebensmitteldiscounter Aldi will künftig für jeden der kleinen Obst- und Gemüsebeutel, die bisher kostenlos an den Frischeregalen hängen, einen Cent verlangen. Das sieht erst mal nach einem richtigen Schritt aus, um das gigantische Plastikmüll-Aufkommen einzudämmen. Doch wenn’s nur dabei bleibt, ist das nichts als Effekthascherei.

Allein in Deutschland werden jährlich 3,2 Milliarden (!) der Obstbeutel verbraucht. Seitdem die großen Tragetüten an den Kassen verteuert wurden, sind es sogar noch mehr geworden, weil viele Kunden sich stattdessen mit Obstbeuteln behelfen. Milliarden Plastiktüten sind später als schwimmende Kontinente in den Meeren zu begutachten – oder auf den Müllkippen in Asien, wohin deutscher Plastikabfall exportiert wird. Um die Beutelflut tatsächlich einzudämmen, ist der eine Cent pro Tüte viel zu wenig. Wer den Gebrauch von Plastiktüten wirksam stoppen will, muss einen deutlich höheren Preis verlangen. In Irland etwa wird auf jede Plastiktüte eine Abgabe von 22 Cent erhoben, was den Verbrauch von 328 auf 14 Tüten pro Kopf und Jahr reduziert hat. Der Tütencent hilft kaum weiter, solange alle anderen Produkte, etwa vorverpackte Äpfel und Tomaten, weiter in Plastikhüllen verkauft werden. Er kann auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Discounter bis heute keine Mehrwegflaschen, sondern ausschließlich Getränke in Einwegverpackungen anzubieten hat.

Wer die Plastikflut ernsthaft eindämmen will, muss kreative und intelligente Alternativen und Vertriebswege entwickeln – von der wiederbefüllbaren Shampooflasche über den portionsweise bezapfbaren Nudelspender bis zum Angebot, den Camembert in privaten Emailleschüsseln abzuwiegen. Für einen Cent ist die Pl