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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2019
Was ist heilig?
Der Inhalt:

»Es mangelt an Nähe«

Viele Menschen sind skeptisch gegenüber Kirchen, Medien und Parteien. Aber Heiratsschwindler haben immer wieder leichtes Spiel. Warum eigentlich? Fragen den den Vertrauensforscher Martin Schweer

Publik-Forum: Herr Professor Schweer, gleich ist Mittag. Wie oft haben Sie heute schon vertraut?

Martin Schweer: Ich habe an vielen Stellen schon vertraut, aber nicht bewusst, sondern automatisiert. Im Straßenverkehr, beim Frühstück, beim Gang durch die Gebäude. Da vertraue ich den Autofahrern, dem Bäcker und den Architekten, ohne groß darüber nachzudenken.

Wenn das so einfach ist: Können Sie als Vertrauensforscher erklären, warum wir in einer Zeit der Vertrauenskrise leben?

Schweer: In vielen Situationen zur Bewältigung unseres Alltages geschieht Vertrauen automatisiert. Darüber hinaus treffen wir ganz bewusste Entscheidungen dahingehend, ob wir konkreten Personen oder Institutionen Vertrauen schenken wollen oder nicht. In unserer komplexen Welt sind wir zunehmend darauf angewiesen, uns in die Hände anderer zu begeben, fühlen uns jedoch oft enttäuscht. Denken Sie an die Skandale in Parteien, Kirchen oder Wirtschaft.

Die Losung des Dortmunder Kirchentages lautet »Was für ein Vertrauen«. Was passiert, wenn es schwindet?

Schweer: Es kann passieren, dass sich Menschen von den etablierten Angeboten abwenden und nach Alternativen suchen, von denen sie meinen, dass diese ihre Anliegen besser vertreten oder ihre Bedürfnisse eher befriedigen können.

Menschen neigen also bei Vertrauensverlust dazu, sich nach Ersatz umzusehen.

Schweer: Ja. So sind etwa viele Menschen von den Kirchen enttäuscht. Dennoch gibt es einen starken Wunsch nach Spiritualität. Das zeigen entsprechende Nachfragen in d