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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2019
Was ist heilig?
Der Inhalt:

»Alle Heilig * innen Gottes, bittet für uns«

An der Basis bemüht sich die Kirche um geschlechtersensible Sprache und Seelsorge. Dagegen offenbart der Vatikan mit einem neuen Dokument, wie wenig er von »Gender« versteht

Als vor einigen Jahren beim Putzen der Tabernakel einer 1801 erbauten Kapelle in Osttirol verrückt wurde, fand man dahinter folgende Inschrift: »Alle Heiligen und Heiliginnen Gottes. Bittet für uns.« Die gleiche Formulierung findet sich in dem Gebetbuch »Goldener Himmel-Schlüssel« von 1841, das »zum besonderen Gebrauch des andächtigen Weiber-Geschlechts« bestimmt ist. Wer sich mit Frömmigkeitsgeschichte befasst merkt schnell: Es war bis ins 19. Jahrhundert normal, dass Männer wie Frauen einzeln benannt und angesprochen wurden.

Heute dagegen erhitzt die »Regelung zur Verwendung von geschlechtergerechter Sprache«, wie sie beispielsweise das Erzbistum Freiburg beschlossen hat, die Gemüter. Gendern in der Kirche? Ogottogott. Das G-Wort ist das große Schreckgespenst für die katholische Kirche. Das an sich unschuldige Wörtchen meint eigentlich nichts weiter als »Geschlecht«, kratzt aber gefährlich am Status quo der klaren Unterteilung der Menschheit in Männer und Frauen und den dazugehörigen Erwartungen, wie sich »ein echter Mann« oder eine »richtige Frau« zu verhalten habe.

Die ganze Dimension von Gender wurde jüngst auf einem Studientag der Katholischen Akademie in Freiburg deutlich. Es beginnt bei der Sprache. Die Freiburger Soziologin Nina Degele warf der Kirche vor, dass sie selbst dort, wo sie geschlechtergerechte Sprache benutze, dies tue, um Ungerechtigkeit zu verkleistern. Es sei doch auffällig, dass die Kirche viel lieber von »Gleichwertigkeit« oder »Gleichwürdigkeit« von Frauen spreche als von »Gleichberechtigung«. Auch der Freiburger Theologe Magnus Striet stellte fest: »Geschlechtergerechte Sprache nützt nichts, wenn das System damit kaschiert wird.« Zu meinen, man se