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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2019
Was ist heilig?
Der Inhalt:

Chinas Kampf beginnt im Kindergarten

Der Muslim Abduweli Ayup wollte nur die uigurische Sprache pflegen. Doch er geriet ins Visier der Staatsmacht

Es liegt nur sechs Jahre zurück, doch Abduweli Ayup kommt es wie eine andere Epoche vor. Im Februar 2013 hatte der uigurische Linguist nach langem Kampf mit den chinesischen Behörden die Genehmigung zum Bau eines trilingualen Kindergarten in der Provinz Xinjang erhalten. Neben englisch und chinesisch sollten der uigurischen Minderheit im islamisch geprägten Westen Chinas in ihrer Muttersprache unterrichtet werden. Ayup träumte davon, ein Netz solcher Kindergärten und Schulen zu eröffnen. Zwar war auch damals die Lage nicht einfach, doch verglichen mit dem Gefängnis, in das die regierende KP Chinas die Region verwandelt hat, war es ein »Paradies«, wie Ayup sagt.

Nach übereinstimmenden Berichten von Menschenrechtlern sperrt China in Xinjiang über eine Million Uiguren und andere Muslime in Arbeits- und Umerziehungslager ein. Wer einen Bart trägt, in der Moschee betet oder den traditionellen Gruß Salam aleikum verwendet, ist verdächtig. Wer Schweinefleisch oder Alkohol meidet, riskiert, von der Staatsmacht als islamischer Extremist klassifiziert und in einem der Lager zur Aufgabe seiner Sprache und Religion gezwungen zu werden. Für Ayup ist diese Unterdrückungspolitik ein »unverzeihlicher Fehler«. »Ist eine Kultur erst einmal zerstört, ist es unmöglich, sie zu rekonstruieren«, sagt Ayup bei einem Treffen in Istanbul. Dorthin floh er 2015. Wenn das so weitergehe, sei die uigurische Kultur und Sprache in dreißig Jahren vernichtet. Chinas Verfassung erlaubt ethnischen Minderheiten wie Uiguren oder Tibetern eigentlich den Unterricht in der Muttersprache, doch Ayups Kindergarten wurde nach wenigen Monate geschlossen und er selbst mit dreien seiner Partnern inhaftiert. Erst nach 15 Monaten kam er frei.

Die Ansie