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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2018
Streit ums Abendmahl
Der Ökumene droht der Totalschaden
Der Inhalt:

Die Vergessenen

Wie hat sich die Ukraine in den vergangenen vier Jahren verändert? Ein Blick auf das Leben abseits des Krieges

Wer in Kiew, 750 Kilometer von der Front entfernt, über die Einkaufsmeile Kreschtschatik spaziert, spürt nichts von dem Krieg, der in vier Jahren über 10 000 Menschen das Leben gekostet hat. Gemütliche Cafés, ausverkaufte Theater-Vorstellungen und ein lebendiges Nachtleben verdrängen den Krieg. Doch der Schein trügt: Den Krieg spüren nicht nur jene Ukrainer, die an der Front kämpfen, dort leben oder in den »Volksrepubliken« regelmäßig das Detonieren von Explosionen hören.

Auch im Rest des Landes sind die Folgen spürbar. Die Ukrainer sind in vier Jahren Krieg ärmer geworden. Während man noch vor fünf Jahren für acht ukrainische Hrywna einen Euro bekommen konnte, muss man heute schon 33 Hrywna dafür auf den Tisch legen. Entsprechend sind auch die Preise gestiegen. Nur die Löhne haben sich kaum erhöht. Laut ukrainischer Statistikbehörde verdienen nur 25 Prozent der Menschen mehr als 300 Euro im Monat. Durch den Krieg werden soziale Fragen völlig ausgeblendet. Untergegangen ist deshalb auch jüngst eine Demonstration in Kiew von tausend Sozialdemokraten und Sozialisten, die einen monatlichen Mindestlohn von 300 Euro und eine Mindestrente von 150 Euro gefordert hatten.

Nadia Amirova, eine pensionierte Kindergärtnerin, berichtet im Gespräch mit Publik-Forum, wie sie trotz achtzig Euro Rente über die Runden kommt. Sie besucht jeden Sonntag vier Gottesdienste. Und jede Kirchengemeinde spendet ihr eine Tragetasche mit Lebensmitteln. Das sei genug für eine Woche, sagt die 71-Jährige, die nur mit Mühe ihre vier Tragetaschen mit Bus und U-Bahn zu sich nach Hause schleppen kann. Im Sommer sammele sie Pilze und Kastanien, die sie auf dem Markt verkaufe. Schlecht sehe es indes mit der medi