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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2018
Streit ums Abendmahl
Der Ökumene droht der Totalschaden
Der Inhalt:

»Die Lieder sind der Schlüssel«

Barbara Weigelt singt in Hamburg mit demenzkranken Frauen und holt mit der Musik die Erinnerungen zurück

Mit der Musik erreiche ich eigentlich jede. Seit zwei Jahren gehe ich jede Woche in eine Wohngruppe für Frauen mit Demenz. Ich spüre, dass die Frauen während der Singstunde eine gute Zeit haben, wacher und aktiver sind als gewöhnlich. Und ich darf endlich singen! Als Kind habe ich gehört: »Du kannst nicht singen, du triffst den Ton nicht.« Dabei bedeutet Musik mir so viel. Ich habe einen großen Liederschatz, das hilft mir jetzt. Die dementen Frauen sind in den 1930er-, 1940er- oder 1950er-Jahren geboren. Ich weiß in etwa, was damals in der Schule gesungen wurde, kenne Wanderlieder, Kinder- und Kirchenlieder. Aber auch die Schlager, die im Radio liefen, als die Frauen jung waren. Frauen, die auf dem Land in Norddeutschland groß geworden sind, freuen sich genauso wahnsinnig, wenn wir plattdeutsche Lieder wie »Dat du min Leevsten bist« anstimmen.

Die Frauen, die nicht mehr singen können, wippen im Takt, winken oder klatschen. Ich sehe an ihren Augen, dass sie beteiligt sind. Die Lieder sind der Schlüssel, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Zum Beispiel gibt es dieses Waschfrauenlied »Zeigt her eure Füße«. Wir machen dazu die Bewegungen, reden darüber, wie man damals Wäsche gewaschen hat. Einmal kam ich mit dem Arm voller Tulpen im bunten Kleid, ging von Frau zu Frau und fragte: »Was für ein Lied singen wir wohl gleich?« Alle wussten es: »Tulpen aus Amsterdam«. Ich versuche, eher positive Erinnerungen zu wecken. Schließlich bin ich keine Therapeutin, die Trauer oder Angst auffangen kann.

Zur Vorbereitung auf die Arbeit als Musikpatin für Menschen mit Demenz habe ich einen Lehrgang besucht. Dabei habe ich gelernt, dass Musik bei Dementen die Erinnerung und die Persönlichkeit aufschließt. Das musikalische