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kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2017
Im Herzen die Freiheit
Iran: Reise in ein Land der Widersprüche
Der Inhalt:

Diakonie und Caritas: Jetzt ist Zeit zum Umdenken

Multireligiös statt katholisch: Was für die Zukunft zu bedenken ist

Der katholische Caritasverband müsste viele seiner Einrichtungen sofort schließen, wenn er darauf bestehen würde, dass alle seine hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den offiziellen katholischen Normen entsprechend leben, ja überhaupt katholisch oder gläubig sein müssten. Das ist auch den Bischöfen bewusst. Sie wollen zwar das katholische Profil der Caritas erhalten wissen, scheinen aber inzwischen mehrheitlich einzusehen, dass sie eine zunehmende religiöse und spirituelle Pluralität der Mitarbeitenden akzeptieren müssen. Und dass sie den Menschen nicht mehr einfach so in ihre private Lebensführung religiös-dogmatisch hinreden können.

Das Bistum Würzburg hat im vergangenen Jahr eine Studie in Auftrag gegeben, die 2200 Caritas-Angestellte nach ihren religiösen Einstellungen befragte. Ergebnis: Das Christentum ist mit seinen Werthaltungen für die Mehrheit zwar weiterhin bedeutsam, die Institution Kirche jedoch kaum noch. Nur 13 Prozent der befragten Mitarbeiter fühlen sich der katholischen Kirche eng verbunden; knapp 60 Prozent stehen ihr kritisch gegenüber; 23 Prozent haben bereits an einen Austritt gedacht, ihn aber aus taktischen Gründen nicht vollzogen. Bei den Jüngeren verschärft sich die Situation: Kaum jeder Zweite der unter Dreißigjährigen fühlt sich der Kirche zugehörig. Hinzu kommen noch knapp drei Prozent, die sich als religiös ungebunden bezeichnen.

Der Zugang zum Christentum geschieht vor allem über das ethische Ideal der Nächstenliebe, nicht über das Glaubensbekenntnis. Was zählt, ist die eigene religiös-spirituelle Erfahrung. »Ein personales Gottesbild, das zur jüdisch-christlichen Überlieferung zählt, scheint auch unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Caritas zu erod