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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2017
Im Herzen die Freiheit
Iran: Reise in ein Land der Widersprüche
Der Inhalt:

Abtei auf Öko-Kurs

von Michaela Schneider vom 23.06.2017
Die Benediktiner der Abtei Münsterschwarzach wirtschaften klimaneutral. Ihr Energieprojekt sehen sie als Auftrag ihres Ordensgründers

Ein »Kosmischer Jesus« mit Sonne, Mond und Herz ragt neben der Biogasanlage und dem Futtergetreidesilo in den Himmel. Die riesige Skulptur von Pater Meinrad Dufner versinnbildlicht, wie eng Arbeit und Glaube für die Benediktiner der Abtei Münsterschwarzach miteinander verwoben sind. Aus der Regel ihres Ordensgründers Benedikt leiten sie den Auftrag ab, mit Rohstoffen und Energie achtsam umzugehen sowie Produkte von nachhaltiger Qualität zu erzeugen. Tatsächlich mahnte Benedikt in seiner Regel aus dem Jahr 529, die Dinge des Alltags »wie heilige Altargefäße« zu behandeln. Man solle der Schöpfung und den Menschen achtsam begegnen, »damit in allem Gott verherrlicht werde«.

Wer dem Orden beitritt, gelobt klösterlichen Lebenswandel, Gehorsam und Stabilitas, also Ortsfestigkeit. Übersetzt in die Gegenwart: Es geht im Kern um das rechte Maß, Beständigkeit im Umgang mit Natur und Menschen sowie um ein langfristiges Denken. Was für Benediktiner seit Jahrhunderten selbstverständlich ist, umschreibt heute der Begriff »Nachhaltigkeit«. »Achtsamer Umgang mit der Schöpfung und mit allen Menschen ist für uns eine Art Gottesdienst; genauso bedeutsam wie das liturgische Beten«, sagt Pater Christoph Gerhard. 1987 trat der Elektroingenieur mit 23 Jahren in die Abtei ein. Heute kümmert er sich als Cellerar um wirtschaftliche Belange. Er leitet auch das erfolgreiche »Energie-Projekt Abtei Münsterschwarzach«. Dadurch gelang es den Mönchen, binnen weniger Jahre mit regenerativer Energie aus der Region eine ausgeglichene CO2-Bilanz zu erreichen.

2001, zum hundertsten Jahrestag der Wiederbegründung der Abtei – sie besteht seit dem 8. Jahrhundert, wurde aber im Zuge der Säkularisation Anfang des 19. Jahrhunderts aufgehoben und durfte erst 1901 wieder neu gegründet werden –, überlegten die neunzig Brüder, »was für uns die großen Themen in den nächsten hundert Jahren sein werden. Wir kamen auf den Umgang mit der Umwelt«, erinnert sich Pater Christoph. Eine Rolle spielten unter anderem auch die schockierenden Erfahrungen in den Benediktinermissionen. So berichteten zum Beispiel Mitbrüder aus den Philippinen anschaulich von der verheerenden Zerstörungskraft des Taifuns Hayan. Damals formulierte der Öko-Rat der Abtei das Ziel, in zehn Jahren mit regenerativen Energieträgern aus der Region autark zu sein. Am Anfang stand die Datenaufnahme in den mehr als siebzig Gebäuden auf einer beheizten Fläche von 55 000 Quadratmete

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