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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2016
Schenkt ihnen nicht eure Angst!
Wie rechte Populisten die Gesellschaft spalten
Der Inhalt:

Wenn Arbeit krank macht

Sind Belastungen heute größer als früher? Martin Dornes sagt Nein

Martin Dornes
Macht der Kapitalismus depressiv?
Über seelische Gesundheit und Krankheit in modernen Gesellschaften. S. Fischer. 160 Seiten. 15,99 €

Jährlich wird ein Anstieg psychischer Erkrankungen gemeldet. Sozial- und Ökonomiekritiker sehen darin oft eine Folge des Kapitalismus, zumal in seiner aggressiven Turbo-Variante. Immer mehr Psycho-Opfer für den Kapitalismus, heißt es dann in vielen Zeitschriften, Internetportalen, Talkshows und Büchern. Doch trifft das wirklich zu? Nein, stellt der promovierte Sozialwissenschaftler und habilitierte Psychoanalytiker Martin Dornes klar.

Alle, die die Zunahme psychischer Erkrankungen für ihre Kapitalismuskritik nutzen, werden am Studienergebnis von Dornes zweifeln. Doch in seinem Buch »Macht der Kapitalismus depressiv?« stellt der Mitarbeiter des Frankfurter Instituts für Sozialforschung die Resultate seiner langjährigen Forschung über die seelische Gesundheit und Krankheit in modernen Gesellschaften gut nachvollziehbar dar und begründet sie überzeugend. Sein Fazit: Es gibt keine empirischen Belege, die einer genaueren Überprüfung der Aussage standhalten würden, dass psychische Krankheiten zugenommen haben. Was jedoch zugenommen hat, ist »die Sensibilität für Symptome und Syndrome, die früher nicht unter der Rubrik Krankheit wahrgenommen, sondern ignoriert oder als Bestandteil gewöhnlichen Lebensunglücks verstanden« wurden. Zugenommen haben auch die »Krankheitsdiagnosen, was einen ›kulturellen Wandel im Krankheitsverständnis‹ und in der Definition von psychischer Krankheit widerspiegelt«, und eine Ausweitung des Versorgungsangebots.

Ausführlich zeigt Dornes, der