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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2016
Schenkt ihnen nicht eure Angst!
Wie rechte Populisten die Gesellschaft spalten
Der Inhalt:

»Mir fehlen noch 137 Tote«

Der Spanier David Ramírez López sucht nach Opfern des Spanischen Bürgerkriegs und der Franco-Diktatur

In meiner Freizeit suche ich nach den Überresten der Opfer der Franco-Diktatur. Sie dürfen nicht in der Namenlosigkeit bleiben. In ganz Spanien liegen noch immer mehr als hunderttausend Menschen verscharrt, in Straßengräben, auf Feldern und Friedhöfen. Das ist unsere schwarze Geschichte. In den Jahren der Franco-Diktatur, zwischen 1939 und 1975, gab es Gewaltverbrechen, Folter und Mord, und nichts davon ist je geahndet worden.

Kürzlich haben wir ein Grab bei Cádiz gefunden. Auf einem Hof hatten die Faschisten eine Familie erschossen. Ein kleines Mädchen hat das Massaker überlebt und gesehen, wo man die Toten vergrub. Heute ist sie eine Frau von achtzig Jahren. Mit Freunden bin ich hingefahren, und wir haben die Stelle gesucht. Wenn wir Kugeln finden, haben wir das Grab. Deshalb suchen wir mit Metalldetektoren – obwohl die in Andalusien verboten sind. Wir operieren an der Grenze der Legalität. Das alles machen wir in unserer Freizeit, mit unseren Autos, auf unsere Kosten. Wir zeichnen einen Plan und bereiten alles vor, damit die Opfer anschließend von der Organisation, der ich angehöre, exhumiert werden können.

Diese Grabungen sind vielen Leuten in der Verwaltung ein Dorn im Auge. Würde man offiziell einen Antrag stellen, wäre das Risiko viel zu hoch, dass das niemals durchgeht. In dem Dorf, in dem ich als Umweltpolizist arbeite, müssen aus der Zeit des Bürgerkriegs (1936-1939) 142 Gefallene der republikanischen Seite verscharrt worden sein. Wir haben vor der Friedhofsmauer mit einem Bagger nach ihnen gesucht und die sterblichen Überreste von fünf Menschen dicht unter der Oberfläche gefunden. Diese fünf konnten wir identifizieren, sie wurden erst nach Kriegsende 1939 erschossen. Die anderen 137 Toten f