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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2016
Schenkt ihnen nicht eure Angst!
Wie rechte Populisten die Gesellschaft spalten
Der Inhalt:

Kolumne von Anne Lemhöfer: Glück in Kugeln

Jeden Morgen warten wir an einem alten Kaugummiautomaten auf den Bus Nummer 43. Daneben stehen noch ein Mülleimer und ein schief im Bürgersteig verankerter Fahrplanständer. Das ist unsere Haltestelle. Der Kaugummiautomat ist am Mäuerchen eines Parkplatzes befestigt und fügt sich so perfekt in das Ensemble ein, dass meine fünfjährige Tochter erst neulich zum ersten Mal fragte: »Mama, was ist das eigentlich für ein Kasten?«

»Das ist ein Kaugummiautomat. Der hing schon da, als ich ein Kind war.« Das Kind ist beeindruckt wie immer, wenn es sich vorstellt, dass ich mal fünfzig Zentimeter kleiner war. »Und was sind das für Kügelchen?«

»Das sind die Kaugummis, die sind da auch schon seit 1983 drin, glaube ich«, sage ich. Bevor ich behaupten kann, kein Zehncentstück dabeizuhaben, hält der Bus neben uns.

Es ist ein Phänomen: Wie eine Art urbanes Unkraut sprenkeln rostige Kaugummiautomaten unsere Städte. Verwachsen mit der Architektur Nachkriegsdeutschlands, längst eins geworden mit den Hauswänden. Als stumme Zeugen vergangener Glücksmomente von Menschen, die in den 1960er-, 1970er- und 1980er-Jahren groß wurden, konservieren sie die Optik der alten Bundesrepublik. Sie sind rot oder gelb, mal mit einem, meistens aber mit zwei bis vier Sichtfenstern ausgestattet und hängen in der Nähe von Kiosken und Schulwegen.

Noch immer benötigen sie keinen Strom, diese eckigen Fossilien aus der Zeit seltsamer Haarschnitte und der ersten Generation »Atomkraft?-Nein-Danke!«-Buttons. Das Glück plumpst via Drehknauf in die Kinderhand, oder besser: plumpste. Für heutige Kinder scheinen sie unsichtbar zu sein.

Ich fange an zu recherchieren. Und lerne: Schon kurz nach Einführung der D-Mark hielten die Kaugummi-
automaten Einzug, und es hat sich erstaunlich wenig an ihnen verändert, seit die amerikanischen GIs ihr Grundnahrungsmittel mitbrachten. Ungefähr 500 000 Kaugummiautomaten gibt es in Deutschland, erklärt mir Thomas Witt, Geschäftsführer des Bundesverbands der Warenautomatenaufsteller (BWA). Die genaue Zahl sei unbekannt, aber er schwört, dass alle bis heute regelmäßig aufgefüllt werden und keine Plombenzieher von vor dem Mauerfall enthalten.

Beruhigend.

Zwar gab es vor 33 Jahren, als ich fünf war, noch keine »Sticky Perlmutt Monsters« wie heute an u

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