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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2016
Schenkt ihnen nicht eure Angst!
Wie rechte Populisten die Gesellschaft spalten
Der Inhalt:

Eine anarchische Idylle

von Gesa Wicke vom 24.06.2016
Fünfzehn Erwachsene, sieben Kinder und ein asiatisches Hängebauchschwein: Das ist die Kommune Olgashof. Die Bewohner wollen umwelt- und menschenfreundlich leben – und ohne den Druck, viel Geld verdienen zu müssen

Der Duft von Olivenöl und frisch gehackten Kräutern zieht durch die große Wohnküche. Es ist vier Uhr nachmittags, Jan und Sven stehen Schulter an Schulter am großen Esstisch und schneiden Tomaten, Auberginen und Rote Bete in dicke Scheiben. Wiesenblumen leuchten im Krug neben dem Schneidebrett, Sonnenlicht wirft flirrende Muster auf die Tischplatte. Auf dem Olgashof kochen die Bewohner reihum im Wechsel. Zwei Stunden bleiben Jan und Sven noch für ihr heutiges Menü. Um Punkt achtzehn Uhr schallt ein Gong über das weitläufige Gelänge des historischen Gutshauses und bittet die Kommunarden zu Tisch.

Das gemeinschaftliche Abendessen – ein wichtiges Ritual auf dem Olgashof vor den Toren Wismars. Ansonsten gibt es hier wenig verpflichtende Gemeinschaftsaktivitäten. Die Freiheit des Einzelnen ist für das Kommunenleben ganz wichtig, sagt Barbara Graf, die von allen nur »Zwetschge« genannt wird. »Wir werden oft gefragt, nach welcher Ausrichtung wir leben«, erzählt die zierliche Frau mit dem braunen Kurzhaarschnitt und lächelt. »Doch uns zeichnet aus, dass wir keine gemeinsame Ausrichtung haben.« Ein Sammelsurium an Weltanschauungen und Prinzipien ist auf dem Olgashof vertreten, von anthroposophisch bis anarchistisch, von esoterisch bis politisch. Sich auf Augenhöhe zu begegnen, offen zu sein für den Anderen und Unterschiede aushalten zu können – das liegt den Bewohnern am Herzen. Gerade mal neun Monate alt ist das jüngste Kommunenmitglied, Mitte siebzig das älteste. »Dieses Miteinander der Generationen ist kostbar«, sagt Barbara Graf. Vor fünf Jahren ist sie mit ihrem Mann und ihren zwei Töchtern aus Franken hierher an die Ostsee gezogen.

»Erst hatten wir vor, selbst eine Gemeinschaft zu gründen«, erzählt sie. »Aber dann waren wir jahrelang auf Reisen, haben uns verschiedene Projekte angeschaut und sind mit unseren Herzen hier hängen geblieben.« Als Experiment empfindet sie das Leben auf dem Olgashof, vieles sei im Fluss, und die Bereitschaft, sich selbst zu hinterfragen, sei wesentlich für ein gelungenes Miteinander. »Klar gibt es auch mal Knatsch und Momente des Zweifelns, wie in jeder Beziehung«, sagt Barbara Graf. »Die perfekte Gemeinschaft gibt es nicht.«

Der Olgashof, ein stattliches Gutshausgebäude aus den 1920er-Jahren, ist seit fast zwanzig Jahren das Zuhause der Kommunarden. Die pensionierte Waldorflehrerin Barbara Goscinski hat die Gem

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