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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2016
Schenkt ihnen nicht eure Angst!
Wie rechte Populisten die Gesellschaft spalten
Der Inhalt:

Der Krieg bekommt ein Gesicht

Der Fotograf Kai Wiedenhöfer hat Flüchtlinge aus Syrien porträtiert

Syrien ist ab sofort auch in Berlin. Ganz nah, ganz groß, ganz persönlich. Ein Jahr lang hat Kai Wiedenhöfer kriegsversehrte syrische Flüchtlinge in Jordanien und im Libanon porträtiert: Männer, Frauen und Kinder. Die dabei entstandenen Fotos und Texte sind ab dem 24. Juni in einer Freilichtausstellung zu sehen.

Dass er Arabisch spricht, half dem international renommierten Fotojournalisten dabei, das Vertrauen der Menschen zu gewinnen. Gemeinsam mit der Gesellschaft für Humanistische Fotografie zeigt er die Porträts und Interviews mit Überlebenden direkt auf der Rückseite der East-Side-Gallery, des längsten noch erhaltenen Teilstücks der Berliner Mauer. »WarOnWall« hat Wiedenhöfer seine ungewöhnliche Außeninstallation genannt. Mit 360 laufenden Metern ist es die bundesweit größte Ausstellung im öffentlichen Raum, frei zugänglich für jedermann.

Da sieht man die zwanzigjährige Hanadi, die nur noch ein Auge hat. Den 52-jährigen Madjid, der einen Arm verlor. Die 41-jährige Khadidja, die schwere Knochenbrüche erlitt. Ganz unmittelbar spricht aus Wiedenhöfers Bildern die Gewalt, die alles verändert hat. Gleichzeitig strahlen die Menschen Würde aus. Schaut man ihnen in die Augen, so sieht man Kraft und Stolz, manchmal sogar ein Lächeln. Und dann sind da Panoramabilder der zerstörten Stadt Kobane, endlose Schutthaufen, zerbombte Häuser, die einmal ein Zuhause waren. »Als ich in Kobane fotografiert habe, lagen da überall Körperteile«, berichtet Wiedenhöfer. In Aleppo ist er selbst nur knapp russischen Bomben entkommen.

Wiedenhöfer hat eine besondere Verbindung zu Syrien: Vor dem Krieg lebte er selbst einige Zeit dort. »Das ewige Zuschauen-Müssen haut mich um«