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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2015
Rettet diese Welt!
Die Umwelt-Enzyklika: Papst Franziskus und sein politischer Sonnengesang
Der Inhalt:

Guter Rat muss nicht teuer sein

von Michaela Schneider vom 26.06.2015
Bündnisse gegen Depression zeigen, wie Selbstmorde verhindert und den Kranken geholfen werden kann

Julia Maloney ist sich sicher: »Depres sion wird deutlich weniger tabuisiert als noch vor Jahren.« Die Diplom-Psychologin weiß, wovon sie spricht: Gemeinsam mit 15 Kollegen betreut sie im Rahmen des Würzburger Bündnisses gegen Depression unter anderem eine Telefonsprechstunde. Angehörige, aber auch Betroffene erkundigen sich hier Woche für Woche nach Behandlungsmöglichkeiten, Fachärzten, Psychotherapeuten oder Selbsthilfegruppen. Die Aufklärung trägt Früchte: Seit das Bündnis im Jahr 2004 seine Arbeit aufgenommen hat, ist die Zahl der Suizide in Würzburg um fast die Hälfte gesunken auf 33 im Jahre 2013. »Das sind trotzdem noch 33 Menschen zu viel«, sagt Maloney. Aber »es zeigt den Erfolg unserer Arbeit«.

Die Bündnisarbeit geht auf ein seinerzeit von der Bundesregierung gestütztes medizinisches Großforschungsprojekt zurück: Ärzte und Psychologen starteten 2001 in Nürnberg eine auf zwei Jahre angelegte Aufklärungskampagne. Sie sollte eines belegen: Wenn Menschen über das Thema Depression aufgeklärt und dann behandelt werden, sinkt die Selbstmordrate.

Zurück geht diese Idee laut Evelyn Kretzschmar, der Koordinatorin des Nürnberger Bündnisses gegen Depression e. V., auf die sogenannte Gotland-Studie. Nachdem Hausärzte intensiv geschult worden waren, wie man am besten mit Menschen umgeht, die an Depression erkrankt sind, sank auf der schwedischen Insel Gotland die Zahl der Suizide. Allerdings fehlte der These die wissenschaftliche Grundlage.

Das sollte sich mit Nürnberg ändern. Die Aufklärungskampagne zielt auf verschiedene Bereiche: auf die Schulung der Hausärzte, auf die Fortbildung weiterer Multiplikatoren wie Fachärzte, Pfarrer, Altenpflegekräfte oder Apotheker. Dazu kommen Hilfsangebote für Angehörige und Betroffene sowie eine Kampagne gegen die Stigmatisierung und Ausgrenzung von Menschen mit Depression.

Würzburg fungierte gegenüber Nürnberg als Vergleichsregion, in der über zwei Jahre bewusst keine Aufklärungsaktionen initiiert wurden. Das Ergebnis war mehr als deutlich: In Nürnberg sank die Zahl der Suizide in der Testphase um fast 25 Prozent. In der Kontrollregion um Würzburg stieg sie dagegen um 15 Prozent an.

Die Würzburger Kollegen begannen im Jahr 2004 mit einem eigenen Bündnis. Sie konzentrierten sich laut Maloney zu Beginn auf Schulungen zum einen für Hausärzte, zum anderen für

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