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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2015
Rettet diese Welt!
Die Umwelt-Enzyklika: Papst Franziskus und sein politischer Sonnengesang
Der Inhalt:

Wenn Demokratie Schule macht

von Josefine Janert vom 26.06.2015
Nach den NSU-Morden: Ein besonderes Unterrichtsprogramm soll Offenheit und Toleranz fördern. Ein Besuch in Erfurt

Zwei Bürgerrechtler stehen vor der zehnten Klasse eines Gymnasiums in Erfurt, und sofort wird es still im Raum. Lothar Tautz und Annette Hildebrandt sind in das Evangelische Ratsgymnasium gekommen, um mit den Schülerinnen und Schülern über die DDR zu sprechen. Ihr Besuch in einer Doppelstunde ist Teil des Unterrichtsprogramms »Demokratie macht Schule«. Es wurde ins Leben gerufen, als sich 2012 herausstellte, dass die drei Mitglieder des sogenannten Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU), Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe, die zehn Morde an ausländischen Mitbürgern geplant und verübt haben sollen, aus Thüringen stammen. Das Programm soll Kinder und Jugendliche dazu anhalten, sich mit der jüngsten deutschen Vergangenheit zu beschäftigen und Toleranz gegenüber anderen Kulturen und Religionen zu entwickeln. Beschlossen wurde es von der Evangelischen Schulstiftung in Mitteldeutschland, zu der das Erfurter Gymnasium gehört. Alle 21 Schulen unter dem Dach der Stiftung können daran teilnehmen.

Allein in diesem Jahr gibt es in Sachsen-Anhalt und Thüringen Angebote für mehrere Hundert Schüler. Während Grundschüler aus Erfurt jüdisches Puppentheater kennenlernen, treffen Gymnasiasten aus Eisenach einen ehemaligen Nazi, der aus der Szene ausgestiegen ist. Schüler aus Altenburg tauschen sich am Peacemaker-Tag mit Menschen aus, die zivile Friedensarbeit im Ausland geleistet haben.

Das Ratsgymnasium in der Erfurter Innenstadt hat eine bewegte Geschichte: Sie begann schon 1561, doch in der DDR sah man keinen Bedarf für ein traditionelles humanistisches Gymnasium. So wurde die Schule 1950 geschlossen – und 1992 in kirchlicher Trägerschaft wiedergegründet. Heute lernen hier etwa 600 Schüler. Apropos DDR. »Was fällt euch dazu ein? Schreibt ein bis zwei Wörter auf!«, fordert Lothar Tautz die Schüler auf. Der Theologe und frühere Sozialkundelehrer mit dem grauen Pferdeschwanz hat sich vor der Klasse aufgebaut.

Seine Frau Annette Hildebrandt und er engagierten sich in der Kirche, gehörten zur Friedensbewegung dort. Sie wurden in der DDR jahrelang bespitzelt, erlebten dann 1989 die Friedliche Revolution, an der sie selbst mitwirkten. Ihre Botschaft – Misch dich ein, steh auf, du kannst Dinge gewaltlos verändern! – ist bis heute gültig. Davon sind die beiden überzeugt. Wie auch die runden Ti

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