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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2014
Fulbert Steffensky: Spiritualität
Warum ich das Wort nicht mehr hören kann
Der Inhalt:

Warum ich das Wort Spiritualität nicht mehr hören kann

von Fulbert Steffensky vom 27.06.2014
Allzu oft vermute ich dahinter nur eine verblümte Form des Egoismus und Profitstreben. Warum empfinde ich das so? Eine Selbstbefragung

Vielleicht ist es der Überdruss eines mürrischen alten Mannes: Das Wort Spiritualität löst bei mir inzwischen Widerwillen aus. Manchmal frage ich mich, warum das so ist, und dann streite ich mit mir selbst:

Warum verziehst du eigentlich immer das Gesicht, wenn du das Wort »Spiritualität« hörst?

Weil es ein Wort ist, von dem ich nicht weiß, was sich dahinter versteckt und welche Interessen damit verbunden sind. Das Wort treibt seinen Schabernack mit uns. Ich nenne nur mal einige Verbindungen, die ich mit dem Wort gefunden habe: Spiritualität im Klassenzimmer. Spiritualität und Gesundheit. Spiritualität des Geldes. Spiritualität des Radios. Spiritualität und Management. Forschungsspiritualität. Wem dient dieses Wort?

Aber du gibst zu, dass die Leute mit dem Wort etwas suchen, was ihnen fehlt? Spiritualität hat etwas mit Geist zu tun. Vielleicht suchen sie Geist in geistlosen Zeiten.

Ja sicher – irgendetwas werden sie schon suchen. Aber ich bin mir nicht sicher, ob bei dem Thema »Spiritualität und Management« gerade der Geist in geistlosen Zeiten gesucht wird oder nicht doch eher Effizienz und Profit. Ich bin nicht sicher, ob bei »Spiritualität und Gesundheit« nicht doch nur die Steigerung des eigenen Wohlbefindens gesucht wird.

Was hast du gegen Wohlbefinden?

Nichts! Aber man soll das Kind beim Namen nennen und es nicht artig kämmen mit dem hohen Wort Spiritualität.

Was spricht denn dagegen, dass Menschen um ihre eigene Frömmigkeit besorgt sind?

Auch das Interesse an der eigenen Frömmigkeit kann eine verblümte Form des Egoismus sein. Auch diese Suche kann »geistliche Habgier« sein, wie Johannes vom Kreuz es nennt. Religiöser Selbstgenuss ist die komischste Form des Genusses.

Du kannst den Menschen doch nicht verbieten, nach Erfahrungen im Glauben zu suchen! Soll der Glaube nicht mehr sein als eine trockene Zustimmung zu irgendwelchen Lehrsätzen? Denk an die Gotteserfahrungen von Franziskus, von Hildegard von Bingen oder Teresa von Avila! Man kann auf Dauer nur an das glauben, bei dem man wenigstens einen Hauch von Erfahrung hat.

Vermutlich hast du recht. Aber es ist ein Unterschied, ob mir Erfahrungen gewährt werden – oder ob ich sie suche. Wer Gott sucht, macht bestimmte Erfahrungen auf dem Weg seiner Suche: Erfahrungen der Geborge

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