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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2014
Fulbert Steffensky: Spiritualität
Warum ich das Wort nicht mehr hören kann
Der Inhalt:

Jesus, der Tänzer

von Hartmut Meesmann vom 27.06.2014
Der Hinduismus inspiriert dazu, mit dem Mann aus Nazareth Freiheit, Freude und Harmonie zu verbinden

Der indische Jesuit Michael Amaladoss möchte, wie er schreibt, einen »eigenen Beitrag dazu leisten, im heutigen asiatischen Kontext Jesusbilder zu entdecken«. So nennt der Leiter des Instituts für den Dialog der Kulturen und Religionen in Chennai Jesus von Nazareth unter anderem einen »Avatar«, also eine körperliche Manifestation Gottes – ein Bild, das im Hinduismus gebräuchlich ist. Er wolle keine neuen Glaubensdogmen formulieren, sagt der 78-jährige Ordensmann über seine theologische Arbeit. Er meine aber, dass Dogmen nicht alles über Jesus aussagen können, »wenn sie seine Bedeutung für sich selbst und für andere in verschiedenen kulturellen und religiösen Kontexten erklären wollen«. Bilder ergänzten ein Dogma auf einer anderen Ebene und brächten eine neue Perspektive ein, die Jesus heute bedeutsam machen könnte. Die vatikanische Glaubenskongregation allerdings wirft dem Jesuiten Irrtümer vor und hat ihn aufgefordert, einzelne Thesen zurückzunehmen; auch wurde ihm ein Vortrag in New York verboten. In seinem Buch »Jesus neu sehen« stellt Amaladoss eine Reihe von Bildern für Jesus vor, zum Beispiel das vom »tanzenden Jesus«.

Jesus als Tänzer zu denken mag viele überraschen. Der christliche indische Künstler Jyoti Sahi hat viele Bilder und Skulpturen geschaffen, die den auferstandenen Christus tanzend darstellen. In einem unveröffentlichten Dokument erklärt er: »Tanzen schenkt uns die Möglichkeit, den Körper zu feiern und eine neue geisterfüllte Art der Freiheit zu entdecken. Die Geister können den Körper fesseln und ein Gefängnis aus ihm machen. Der Lebensgeist jedoch kann den Körper befreien und ihn in ein Instrument der Freude verwandeln. Die geheilte Person springt vor Freude. Dieses Springen in die Zukunft ist das Wesen des Tanzes. Tanzen ist Springen, es ist das Überwinden aller Hindernisse, die uns den Weg versperren.« In diesem Sinn kann man sich die Auferstehung als Tanz vorstellen. Der auferstandene Christus tanzt. Sara Grant, die lange über die dynamische Rolle nachgedacht hat, die das Wort und der Geist für das Zusammenbringen des Ganzen der Schöpfung spielen, schreibt: »Das Wort, das Fleisch wurde und unter uns wohnte, das den Tod auf sich nahm und in Ewigkeit lebendig ist, kann gewiss Herr des Tanzes genannt werden: Es lässt uns die verborgenen Rhythmen des Schöpfergeistes erkennen, der in uns und in unserer verwirrten, zerrissenen Welt wirkt, um alle Dinge zu ihrer geheimnisvollen Vollendung zu

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