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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2013
Fernweh trifft Wirklichkeit
Wie fair kann Tourismus sein?
Der Inhalt:

Wer schön sein will, muss arbeiten

von Tilman Vogt vom 28.06.2013
Der Körper wird zur Dauerbaustelle, Dicksein gilt als moralischer Makel. Gegen den Schönheitsterror von Castingshows und Barbie-Puppen hilft nur die Lust am Leben

Wie eine Folterkammer sieht es gar nicht aus: Von außen ähnelt das Barbie Dreamhouse am Berliner Alexanderplatz einem in rosa Bonbonpapier eingewickelten Baucontainer. Drinnen, in dem lebensgroßen und begehbaren Nachbau von Barbies Puppenvilla, dreht sich hingegen alles ums Kochen, Shoppen und Umkleiden – also um jenes weibliche Rollenmuster, das die Feministin Naomi Wolf in Anlehnung an ein mittelalterliches Marterinstrument einmal als »Eiserne Jungfrau« bezeichnet hat: An kleinen pinkfarbenen Kochstationen dürfen die Besucherinnen es der frisch frisierten Barbie gleichtun und zuckersüße Törtchen zubereiten. Alles soll perfekt sein für den Göttergatten Ken, der sich in den Gemächern als Handwerker betätigt oder sein Auto poliert.

In diesem »Traumhaus« wird mit breitem, lippenstiftbetontem Lachen alles zurückgewiesen, wofür die Frauenbewegung die letzten Jahrzehnte gekämpft hat. Und nicht nur dort: Trotz Bundeskanzlerin und zunehmender Gleichberechtigung scheinen manche Rollenbilder unerschütterlich. Insbesondere Schönheit bleibt für Frauen Pflicht. Die Münchner Geschlechtersoziologin Paula-Irene Villa sieht darin einen Versuch, die Grenze zwischen Mann und Frau angesichts zunehmender Durchlässigkeit zu betonen: »Je unklarer der Geschlechterunterschied in Bezug auf Lebensentwürfe und auf Arbeitsformen wird, umso wichtiger scheint es zu werden, die sichtbare Geschlechterdifferenz zu dramatisieren.« Grellster Ausdruck davon ist die Armada aus Barbies und Prinzessin Lillifees, die Mädchenzimmer in Pinklichtmilieus verwandelt. Kaum dem rosa Strampelanzug entschlüpft, werden die Mädchen daran erinnert, welche Rolle Männer und welche Frauen zu spielen haben. Und welcher Körper gewünscht ist. Denn eines fällt im Traumhaus auch auf: Ständig wird Kuchen gebacken, nie jedoch gegessen.

Erst kommt die Arbeit, dann die Schönheit, nie aber das Vergnügen. Das könnte auch Heidi Klum gefallen, die in ihrer Model-Sendung Germany’s Next Topmodel um jedes Gramm Körperfett ihrer Schützlinge ringt. In der vergangenen Staffel, die von mehr als zwei Millionen Menschen verfolgt wurde, stauchte ein Juror eine Kandidatin zusammen, die gerade eine Portion Pommes frites verdrückt hatte: »Es ärgert mich einfach, dass die Mädchen die Ernsthaftigkeit des Jobs nicht begreifen. Du kannst nicht einfach essen, was

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