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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2012
Heilsame Netze
Warum wir andere Menschen brauchen
Der Inhalt:

Nur nicht ins Heim?

Zu Hause alt werden, das wünschen sich die meisten Menschen. Doch oft bleibt nur der Umzug ins Pflegeheim. Der kann das Leben auch positiv verändern – manchmal

Gerda Krause ruht. Die 96-jährige Dame ist erkältet und hat sich nach dem Frühstück wieder hingelegt – doch sie ist hellwach. Das Zimmer wirkt wohnlich: schwere Sessel, ein dunkler Sekretär, an der Wand ein Gemälde des Berliner Müggelsees. Seit zwei Monaten bewohnt Gerda Krause ein Einzelzimmer im Pflegeheim des Caritas-Seniorenzentrums Kardinal Bengsch in Berlin. Ob sie sich hier schon zu Hause fühlt? »Das ist kein Zuhause, das ist ein Aufenthaltsort.« Gerda Krause sagt das ruhig, aber bestimmt. Ihre weißen Haare sind ordentlich frisiert. Es ist ihr schwergefallen, ihre Wohnung zu verlassen. Sie wollte nie ins Heim. »Aber«, fügt sie hinzu, »das ist ein guter Aufenthaltsort, an dem man gut betreut wird.«

Die Zahlen sind eindeutig: Laut einer Studie des Instituts für Medizinische Soziologie an der Berliner Charité wünscht sich die Mehrheit der Befragten die Pflege in ihren eigenen vier Wänden, entweder durch Angehörige, durch ambulante Pflegedienste oder durch eine Kombination aus beidem. Nur acht Prozent der Befragten können sich eine Versorgung im Heim vorstellen. »Die meisten älteren Menschen wollen bis zum Ende zu Hause sein und gehen erst ins Heim, wenn die Versorgung in der häuslichen Situation nicht mehr möglich ist«, sagt Manfred Carrier vom Diakonie Bundesverband.

Gerda Krause ist mit ihren 96 Jahren körperlich ausgesprochen fit, doch vor gut zwei Jahren ließen ihre geistigen Kräfte nach. Die Diagnose: Demenz. Die beiden Töchter versorgten ihre Mutter zunächst zu Hause. Erst allein, dann mit Unterstützung eines Pflegedienstes. Der Medizinische Dienst der Krankenve