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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2012
Heilsame Netze
Warum wir andere Menschen brauchen
Der Inhalt:

Die Copacabana-Karawane

von Gerhard Dilger vom 19.06.2012
Mutter Erde und die Kinderrechte: Jugendliche aus Lateinamerika und Deutschland ziehen zum Ökogipfel nach Rio

Auf dem San-Francisco-Platz in La Paz ist es dunkel geworden. Hunderte von Zuschauern haben es sich auf den Treppen bequem gemacht, die zur neuen Markthalle hinaufführen. Zwei Trommelgruppen lassen die Kühle der sternklaren Winternacht vergessen. Höhepunkt des Abends ist das Theaterstück »Bis zum letzten Tropfen«. Privatisierung von Wasser ist in Bolivien ein brisantes Thema, das die international besetzte Truppe Trono aus El Alto dynamisch und ohne didaktischen Zeigefinger präsentiert.

Die Tronos sind das Herzstück der »Karawane für das Leben«, die vom Wallfahrtsort Copacabana am Titicacasee an den gleichnamigen berühmten Strand zieht, zum Umweltgipfel Rio+20. Die Idee zur Reise von den Anden an den Atlantik stammt von Peter Strack, dem Regionalkoordinator des Kinderhilfswerks Terre des Hommes. Rund dreißig junge Leute sind mit Lkws und Bussen unterwegs, um für die Belange der von der Ökokrise besonders stark Betroffenen zu werben. Wo immer sie haltmachen, gesellen sich Mitglieder von Partnergruppen von terre des hommes dazu, die eigene Schwerpunkte setzen.

Mit dabei ist Adela Gómez, eine junge Aymara-Frau mit Rock und langen Zöpfen. Sie engagiert sich in der Gewerkschaft der Hausangestellten und bei einem Frauenradio in La Paz, für das sie von der Reise berichtet. Daniel Blanco, Student der Betriebswirtschaft, kommt aus der Bergbaustadt Oruro, wo er sich mit Gleichgesinnten gegen die Umweltverschmutzung wehrt.

»Wichtig sind mir die Mitsprache der Jugendlichen und Programme zur Umwelterziehung in den Medien«, sagt er und lädt auf seinem Laptop eine Audiodatei mit einem Interview fürs Lokalradio hoch. Mit mehreren Hundert bolivianischen Jugendlichen hat er ein Dokument für Rio geschrieben – fünf Seiten, die gehaltvoller sind als manche UN-Vorlage.

»Als Land ist unsere Verantwortung für die Klimakrise minimal im Vergleich zu den großen Verschmutzern aus dem Norden«, heißt es da, »doch wir Kinder und Jugendlichen müssen durch Bewusstseinsarbeit auf die Gesellschaft und die Verantwortlichen einwirken, die Weisheit und Werte unserer Völker wiedergewinnen und engagiert diesen Weg zum guten Leben weitergehen.«

Suma qamaña heißt diese Vision, die auch in die neuen Verfassungen Ecuador

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