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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2012
Heilsame Netze
Warum wir andere Menschen brauchen
Der Inhalt:

Schauen, was wir nicht sehen

von Norbert Copray vom 19.06.2012
Sieben Schritte auf dem Weg zur mystischen Hingabe

Jörg Zink Gottesgedanken Vom inneren Weg eines Christen. Gütersloher Verlagshaus. 160 Seiten. 14,99 €

Eine Glaubenskrise diagnostizieren die Verteidiger der herrschenden Kirchenstrukturen und -lehren, wenn sie den Schwund der Mitglieder und deren nachlassende Verbindlichkeit betrachten. Nur sehr wenige dringen zum Kern der Glaubenskrise vor, der mit der Kirchen- und Führungskrise in der katholischen Kirche nahezu identisch ist: Es ist die Substanzlosigkeit des religiös-kirchlichen Lebens, der Mangel an spiritueller, mystischer Erfahrung. So sieht es in seinem neuen Buch »Gottesgedanken« Jörg Zink, der im November dieses Jahres neunzig Jahre alt wird. Zink ist ein renommierter evangelischer Theologe, spiritueller Lehrer, engagierter Vordenker einer befreienden Verbindung von Mystik und Politik. Er war einer der bekanntesten Sprecher der Friedens- und Ökologiebewegung. Seine These: »Unser landläufiges Christentum krankt an einem Mangel an gegenwärtiger Erfahrung, und nichts ist so dringend wie dies, dass wir die Quelle der eigenen religiösen Erfahrung finden und öffnen. Denn der christliche Glaube ist ja kein Lehrstoff, den einer auswendig lernt und den man dann abfragt.«

Zink legt eine Anleitung für den persönlichen spirituellen Weg vor, der eine spezifisch christliche Ausrichtung hat. Dafür startet er mit einer Hinführung zur Achtsamkeit in dem Bewusstsein, dass wir unser bisheriges Erkenntnisvermögen und unsere rationalen Fähigkeiten überschreiten können. Wir erweitern am besten »unsere Einsicht in die Farben- und Gestaltenwelt seelischer und geistiger Bilder und Symbole und in die Sprache, mit der wir innere Wahrnehmung und Erfahrung zu beschreiben vermögen. Wir können durchaus schauen, was wir nicht sehen«, so Zink.

Der Theologe leitet zu sieben Schritten an, von denen drei auf die Meditation vorbereiten und vier dem »Weg der spirituellen Hingabe« gewidmet sind. Zunächst erstaunt die Strenge, mit der Zink Disziplin und Konsequenz anmahnt, um das Tohuwabohu im eigenen Kopf, in der eigenen Seele und im eigenen Verhalten »unter Kontrolle« zu bekommen. Mit Kontrolle meint er den Weg zu bewusstem Verhalten, verantwortungsvollem Denken und Klarheit in der Seele.

Dabei geht es gerade nicht darum, den einen wahren geistlichen Weg zu beschreiten. Den gebe es nicht, sagt Zink, sondern »er sieht bei jedem einz

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