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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2019
Auf der Kippe
Welche Zukunft hat die evangelische Kirche?
Der Inhalt:

Und wenn der Mensch würdig wäre, weil er ein Liebender ist?

Roman. Religion, Mystik und Sexualität – wie das zusammenhängt, davon erzählt der Roman »Ein Winter in Istanbul« von Angelika Overath anhand dreier Handlungsstränge in unterschiedlichen Zeiten: Im Istanbul von heute begegnet ein Gymnasiallehrer für Religion und Ethik, der stets darauf bedacht ist, alles richtig zu machen, einem türkisch-griechischen Kellner, der erfrischend anders lebt. Im 13. Jahrhundert schreibt der Gelehrte und Dichter Rumi, Gründer des Sufi-Ordens der tanzenden Derwische, Zigtausende mystisch-poetische Verse. Und Mitte des 15. Jahrhunderts verfolgt Nikolaus von Kues, Philosoph, Theologe und Diplomat im Dienste des Papstes, eine besondere Mission: Mit dem Kaiser von Byzanz, dem Patriarchen von Konstantinopel und hohen Bischöfen der Ostkirche reist er auf einer überfüllten Galeere über das Mittelmeer. Die lange, gefährliche Fahrt soll sie zum Konzil nach Italien bringen, wo man angesichts der Bedrohung durch die Osmanen noch einmal versuchen will, West- und Ostkirche zu vereinigen.

Die Autorin schreibt spannend und doch sensibel über die menschliche Sehnsucht nach Einheit und Liebe, die in Religiosität, Mystik, Erotik und Sexualität lebendig werden kann. Sie hat für den Roman aufwendig recherchiert und sorgt beim Lesen für überraschende Aha-Effekte. Plötzlich werden die Verse von Rumi verständlich, in denen die Sehnsucht nach dem Freund und die Sehnsucht nach Gott wie eins klingen. Auch der Theologie eines Nikolaus von Kues, der Gott dort wähnte, wo alle Gegensätze zusammenfallen, kommt man näher, wenn man lesend mit ihm auf der Galeere war. »Und wenn der Mensch würdig wäre, weil er ein Liebender ist?«, fragt Nikolaus. »Klingt gut«, antwortet Bessarion, Freund und Bischof, d