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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2019
Auf der Kippe
Welche Zukunft hat die evangelische Kirche?
Der Inhalt:

Familienaufstellung als magischer Reigen

Kino. Als Kun zum ersten Mal sein neugeborenes Schwesterchen Mirai erblickt, ist er sprachlos vor Staunen. Doch das zarte, friedlich schlummernde Wesen macht ihm seinen bisherigen Rang in der Kleinfamilie streitig. Weil seine Eltern, von Beruf und Haushalt gestresst, nur noch Augen für das niedliche Baby haben, verwandelt sich der Bub in einen eifersüchtigen Wutnickel, der seiner Schwester seine Spielzeugeisenbahn auf den Kopf schlägt. Doch plötzlich steht im Garten ein seltsamer junger Mann vor ihm. Er entpuppt sich als der Familienhund, verwandelt in Menschengestalt, und beklagt sich darüber, dass Kun ihm einst seine Stellung als Liebling der Eltern streitig machte. Einen Tobsuchtsanfall später begegnet Kun einem lakonischen Teenager: Mirai, aus der Zukunft. Und dann seinem verstorbenen Urgroßvater, einem coolen Typen, der seinen Urenkel auf eine Motorrad-Spritztour mitnimmt …

In einem magischen Reigen aus Zeitreisen, in dem sich auf oft witzige Weise Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart überschneiden, entwickelt der Junge ein Bewusstsein für die Nöte anderer und ändert seine Haltung gegenüber seinen eigenen Gefühlen und Ängsten. Das Besondere an diesem Anime, einem japanischen Zeichentrick-Märchen, ist nicht nur seine Leichtigkeit und poetische Anschaulichkeit. Unaufdringlich wird in dieser Familienaufstellung auch die Geschichte der Eltern eingewoben, die oft Gewissensbisse wegen ihrer Ungeduld gegenüber ihren Kindern haben. Der Film wurde für einen Oscar nominiert. Schlicht und raffiniert zugleich ist er nichts weniger als ein Gesamtkunstwerk – ein Familienfilm, der seinen Namen wirklich verdient, und dank seiner malerischen Japan-Kulisse ein fantastischer Auge