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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2019
Auf der Kippe
Welche Zukunft hat die evangelische Kirche?
Der Inhalt:

»Alle meine Helden haben Leben gerettet«

Er mag keine Romane, in denen es hauptsächlich um den Autor geht: Erich Hackl kann nur wahre Geschichten erzählen. Ein Gespräch mit dem österreichischen Schriftsteller über Widerstand, Einsamkeit und Rechtsextremismus

Publik Forum: Herr Hackl, können Sie sich noch an Ihren ersten Text erinnern?

Erich Hackl: Das war eine selbstgestaltete Fußballzeitung. Ich habe mit acht Jahren in den Sommerferien Bilder aus einer Zeitung ausgeschnitten und auf der Schreibmaschine meines Vaters Texte dazu geschrieben. Das Ergebnis habe ich meiner Mutter gezeigt, und sie meinte: »Du wirst uns doch kein Schriftsteller werden!« Als ich gefragt habe, was ein Schriftsteller denn überhaupt sei, hat sie mir eine kuriose Antwort gegeben: »Das ist einer, der in der Nacht arbeitet und bei Tag schläft.« Es war Hochsommer, und bei uns im Haus waren die Jalousien runtergelassen. Sie haben das Licht gefiltert, und das Zimmer hatte etwas Dämmriges und Schummriges an sich, das ich dann mit der Existenz des Schriftstellers verbunden habe.

Das blieb aber nicht die einzige Motivation, oder?

Hackl: Während meiner letzten beiden Mittelschuljahre ist mein geschichtliches Interesse erwacht. Da waren plötzlich zwei getrennte Impulse: die Freude am Schreiben und das Gefühl der Notwendigkeit, mich mit der Zeitgeschichte zu beschäftigen. In meiner Geburtsstadt Steyr war die jüngste Vergangenheit sehr präsent, weil es eine Arbeiterstadt war und eines der Zentren des Arbeiteraufstandes gegen das austrofaschistische Regime 1934. Dazu kam – in viel zu geringem Ausmaß, aber immerhin – der Widerstand gegen das Naziregime, wieder von Arbeitern in den Steyr-Werken initiiert. Es war also nur logisch, dass ich mich damit beschäftigt habe. Seltsam war eher, dass ich da lange Zeit so ziemlich der Einzige war. Später kam dann mein Interesse für die Gegenwartspolitik dazu: 1968 war für