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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2018
Schluss jetzt!
Chile-Skandal: Überwindet der Papst die Restauration?
Der Inhalt:

Buch des Monats: Radikaler Glaube

von Norbert Copray vom 08.06.2018
Religiosität jenseits von Fundamentalismus und Apathie

Claudia Mönius
Feuer der Sehnsucht
Spiritualität einfach leben.
Gütersloher Verlagshaus. 254 Seiten. 20 €

Das »Feuer der Sehnsucht« von Claudia Mönius »entstand aus dem Leiden an der Tatsache, dass es heute schon fast peinlich ist, katholisch zu sein. Machtmissbrauch, Gier, Erstarrung in Überkommenem« haben »Kirche nahezu zur Bedeutungslosigkeit verkommen lassen«. Der Satz eines Ordensmannes erschien ihr daher gar nicht polemisch, der auf ihre Frage, ob es im Sinne eines Neuanfangs nicht besser wäre, das System katholische Kirche bräche zusammen, geantwortet hatte: »Ich denke, es ist schon zusammengebrochen, man will es nur nicht wahrhaben.«

Doch ehe alle guten Traditionen, alle Glaubens- und Herzensschätze verschwunden sind, ist für Mönius »höchste Zeit für einen Neuanfang«: »Für den Auftakt zu einer Spiritualität, die das Althergebrachte, uns Überlieferte dankbar annimmt und in der Verbindung mit Neuem in eine geistige und geistliche Weite führt, die uns alle beschenkt und befreit aufatmen lässt.« Wer die Einführung der Industriekauffrau und Diplom-Kulturwirtin liest, kommt erst mal nicht auf den Gedanken, dass es bald direkt zum Beten geht, bei dem traditionelle und neue Formen des Betens kunstvoll und lebendig verwoben werden, wie es selten öffentlich bekannt wird.

Doch Mönius hat nicht nur den Mut, offen von ihrer spirituellen Praxis zu schreiben, sondern diese in einen zeitgemäßen Glauben einzubetten, der als »lebendige Beziehung zum Göttlichen« erfahren wird. Religion ist für sie eine »Ideallinie«, für die es gilt, »den eigenen Schatten« zu integrieren und sich »dem Ideal anzunähern«.

Je tiefer es ins Buch hineingeht, desto heftiger werden die Erfahrungen, von denen Mönius schreibt. Sie kommt aus einer traumatisierten Kriegsfamilie, wo der Vater nach der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft wortkarg ist und keine Nähe zulässt, die Mutter auch körperlich schwer leidet und Alkoholikerin wird. Mönius selbst erlebt zwischen neun und vierzehn Jahren sexuellen Missbrauch durch den Gemeindepfarrer, tritt später aus der Kirche aus, will von Religion erst mal nichts wissen. Sie gerät später in eine schwere Depression, in der sie – was Wunder! – das Beten wiederentdeckt, erst stammelnd. Sie betet sich durch die Depression hindurch mit Unterstützung eines sehr verständigen Psychotherapeuten u

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