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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2018
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Chile-Skandal: Überwindet der Papst die Restauration?
Der Inhalt:

»Es geht auch anders«

von Anna Müller vom 08.06.2018
Auf dem Fusion-Festival in Mecklenburg-Vorpommern fühlen sich die Besucher vier Tage lang wie in einer besseren Welt

Sommerzeit ist Festivalzeit. Die Bahnhöfe sind voll von Leuten mit großen Rucksäcken, an denen Zelte und Gummistiefel baumeln, und auf sonst kaum befahrenen Autobahnabschnitten kommt es plötzlich zu wahnwitzigen Staus, weil Festivalbesucher, die zahlenmäßig eine mittelgroße Stadt ausfüllen könnten, etwa zum Nürburgring reisen oder zu einer Kuhwiese nach Wacken in Schleswig-Holstein, wo abgesehen vom größten Heavy-Metal-Festival der Welt nicht viel los ist.

Ein Festival, das wenig Rummel und grundsätzlich keine Werbung macht und trotz seines Erfolgs noch als Geheimtipp gilt, ist die Fusion. Seit 1997 findet das Festival mit Schwerpunkt auf elektronischer Musik auf einem ehemaligen Militärflugplatz im mecklenburgischen Lärz statt. Anders als auf kommerziellen Festivals hängen hier nirgends Plakate von Sponsoren und die Besucher dürfen Essen und Getränke mitbringen – und wer die hundert Euro für das Ticket nicht hat, kann es sich mit ein paar Stunden Mithilfe verdienen. Die Nachfrage übersteigt seit Jahren die Kapazitäten. Deshalb werden die Tickets im Dezember verlost; sie dürfen auch nicht weiterverkauft werden, um den Schwarzhandel auszuschalten. 2013 kletterten mehrere tausend ticketlose Fans über die Außenzäune, sodass deren Anzahl verdoppelt werden musste.

Das Geheimnis der Fusion ist ihr besonderer Geist: In diesem Paralleluniversum herrscht eine Art Kommunismus, wie man ihn sich wünschen würde. Karl aus Berlin, der schon fünf Mal auf der Fusion war, beschreibt es so: »Es ist der Neuentwurf einer Gesellschaft, in der man wohlwollend aufeinander zugeht, sich gegenseitig hilft und inspiriert. Vier Tage, an denen man erlebt, dass es auch anders gehen könnte.« Mit anders meint der Dreißigjährige die kleinen Dinge. Etwa, dass man merkt, dass es Spaß macht, Leute in der Schlange vor den Klos vorzulassen, weil sie dringender müssen als man selbst. Oder, dass man ein kühles Bier herschenkt, damit der Nachbar nicht so weit laufen muss. »Es ist verblüffend, dass man zu Sachen bereit ist, gegen die man sich normalerweise sträubt«, sagt Karl.

Das ist umso erstaunlicher, wenn man an die Orte denkt, an denen üblicherweise gefeiert wird: In Clubs und Bars bekommt oft der zuerst, der am lautesten schreit. Auf der Fusion dagegen entsteht eine Gemeinschaft, obwohl hier Menschen aufeinandertreffen, die im richtigen Leben wenig gemein haben. »Da sind D

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