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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2018
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Der Inhalt:

Einsam oder sozial isoliert?

Manfred Spitzer
Einsamkeit
Die unerkannte Krankheit. Droemer. 320 Seiten. 19,99 €

Psychiater und Bestseller-Autor Manfred Spitzer neigt zum Dramatisieren. Nun hat er die Einsamkeit als Krankheit ausgerufen: »Einsamkeit ist nicht ›nur‹ ein Symptom, das heißt ein Krankheitszeichen, sondern sie ist selbst eine Krankheit!« Und zwar eine, die zum Menschen gehört wie auch das Altern. »Irgendwann wird jedem Menschen seine eigene Endlichkeit klar, in jungen Jahren zunächst eher ›theoretisch‹ und mit zunehmendem Alter immer ›praktischer‹.« Das dürfte ein Fehlurteil sein, denn einsame Kinder und junge Menschen gibt es kaum weniger als Einsame in anderen Altersklassen.

Also doch keine Krankheit, sondern ein Existenzmarker? Spitzer präsentiert das »zusammengetragene Wissen« über die Einsamkeit, was »dem Leser das aufwändige Studium einiger Hundert wissenschaftlicher Arbeiten erspart«. Das zu behaupten ist überheblich. Auch lässt sich mit der Statistik über Singlehaushalte, der Zahl sehr alter Menschen, dem extremen Anwachsen von Social Media unter jungen Leuten kein »Megatrend« begründen. Einsam fühle man sich, schreibt Spitzer, sozial isoliert sei man objektiv. Die Begriffe gehen bisweilen durcheinander, und seine Diagnose bleibt oberflächlich – subjektiv erfahrene Einsamkeit lässt sich auch nicht mit Hirndiagnostik objektivieren.

Auch lässt sich durch Einzelereignisse schwer belegen, dass das Mitgefühl abnehme. Dreißig Millionen ehrenamtlich Tätige beweisen das Gegenteil. Und zu Spitzers Feststellung, Natur, Gemeinschaft und spirituell verstandene Einsamkeit seien gute Mittel gegen krankmachende Einsamkeit, lässt sich nur fragen: Wer hätte da