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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2018
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Chile-Skandal: Überwindet der Papst die Restauration?
Der Inhalt:

Bewegung für Bildung - und Umsturz

von Ulrich von Schwerin vom 08.06.2018
In Deutschland gilt die Gülen-Bewegung als fromm, unpolitisch und gebildet. Eine neue Studie weckt daran Zweifel

Auch fast zwei Jahre nach dem Putschversuch in der Türkei gibt es noch immer fast täglich Festnahmen von Anhängern des islamischen Predigers Fethullah Gülen. Für Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan besteht kein Zweifel, dass Gülens Bewegung ein gefährlicher Geheimkult ist, der hinter dem versuchten Militärputsch vom 15. Juli 2016 steht. Der Präsident ist daher fest entschlossen, die Bewegung restlos zu zerschlagen, und dringt auch im Ausland auf die Auslieferung ihrer Anhänger. Doch außerhalb der Türkei betrachten viele die Bewegung weiter als einen islamischen Bildungsverein, der unmöglich hinter dem blutigen Staatsstreich stecken kann.

In diese Debatte platzt nun das Buch »Turkey’s July 15th Coup – What Happened and Why«. Der Sammelband, der kürzlich von den Politologen Hakan Yavuz und Bayram Balci an der Universität Utah veröffentlicht wurde, ist die erste umfassende Analyse des Staatsstreichs, vor allem aber die erste wissenschaftliche Studie zur Rolle der Bruderschaft vor und während des Putschversuchs.

Alle zwölf Autoren haben lange zu der auch Cemaat genannten Bewegung geforscht. Viele von ihnen waren ihr früher gewogen und bewerten heute ihr eigenes Engagement für die Cemaat kritisch. Der Herausgeber Hakan Yavuz gesteht, dass er sich lange von ihrer Selbstdarstellung als unpolitische Bewegung für Dialog und Bildung habe blenden lassen und ihre politischen Ambitionen unterschätzte. Zugleich betonen die Autoren, dass die Bruderschaft notorisch intransparent sei und für Außenstehende nur schwer zu durchschauen.

Weder die Anhänger noch die Schulen, Medien und Firmen des Netzwerks bekennen sich offen zu Gülen, und auch bei ihren Veranstaltungen ist die Verbindung zur Cemaat nur schwer zu erkennen. Nach außen präsentiert sich die Cemaat als liberale, basisdemokratische Graswurzelbewegung, doch zeigen die Autoren, dass sie streng hierarchisch organisiert ist. Demnach gibt es für jedes Viertel, jede Stadt und jedes Land einen sogenannten Abi (wörtlich: großen Bruder), und an der Spitze der Pyramide steht Gülen, der in allen wichtigen Fragen das letzte Wort hat.

Wie der Soziologe Yavuz Cobanoglu zeigt, ist die Bruderschaft in moralischen Fragen sehr konservativ. In ihren Wohnheimen gelten striktes Alkoholverbot, strenge Kleidervorschriften und frühe Schließzeiten. Kontakte zwischen Frauen und Männern sind strengstens untersagt, Ehen werden

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