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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2017
»Überall schwindet das Vertrauen«
Norbert Lammert über Medien, Demokratie und Kirche
Der Inhalt:

»Sie sägen am Ast, auf dem sie sitzen«

von Gerhard Endres vom 09.06.2017
Warum die Rufe vieler Bürger nach Steuersenkungen und einem einfachen Steuersystem zwiespältig sind, erklärt der Finanzexperte Stefan Bach

Publik-Forum: Herr Bach, viele Menschen aus der Mittelschicht glauben, dass sie immer mehr Steuern zahlen. Ist das richtig?

Stefan Bach: Die Mittelschichten werden heute tatsächlich steuerlich stärker belastet als in früheren Zeiten. Das liegt daran, dass die Steuerpolitik der letzten Jahrzehnte einerseits die ärmeren Leute entlastet hat, auch Familien mit Kindern, und zum anderen die reichen Leute. Da die gesamtwirtschaftliche Steuerbelastung seit Jahrzehnten konstant geblieben ist, bedeutet das für die Mitte der Gesellschaft eine höhere Steuerlast.

Die Armen sind dafür durch die Verbrauchssteuern stärker belastet.

Bach: Das stimmt, die Einkommenssteuer macht nur die Hälfte des Steueraufkommens aus. Die andere Hälfte entfällt auf die sogenannten indirekten Steuern wie Mehrwertsteuer, Energiesteuern, Tabaksteuern, Alkoholsteuer, alles Verbrauchssteuern. Da die Ärmeren einen großen Teil ihres Einkommen für den Konsum aufwenden, treffen diese Steuern sie viel stärker als die Wohlhabenderen.

Warum wurden die reichen Leute überhaupt entlastet?

Bach: Es begann in den 1990er-Jahren mit der Globalisierung und der Liberalisierung der Wirtschaft. Da hat man gedacht, man müsse die Steuern für die Reichen senken, weil sich Deutschland im Wettbewerb um Investitionen und Köpfe behaupten muss. So wurden die Spitzensteuersätze gesenkt und die Vermögenssteuer nicht mehr erhoben. Die Erbschaftssteuer dümpelt mit niedrigem Aufkommen vor sich hin.

Wie hat sich die Steuerbelastung der Unternehmen verändert?

Bach: Die Steuersätze wurden verringert. Allerdings wurden die Bemessungsgrundlagen verbreitert. Anders als manchmal behauptet, zahlen Unternehmen auf ihre Erträge schon Steuern, die Gewerbesteuer und die Körperschaftssteuer. Kleine und mittlere Betriebe zahlen Einkommenssteuer. Man muss aber sehen, dass es hier viele Möglichkeiten gibt, die Steuern zu gestalten. Das gilt gerade für die international operierenden Unternehmen, also auch für die vielen größeren Mittelständler in Deutschland. Vielen gelingt das sicher nicht so exzessiv wie den amerikanischen IT-Unternehmen Apple und Google. Aber den tariflichen Steuersatz von dreiß

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