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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2017
»Überall schwindet das Vertrauen«
Norbert Lammert über Medien, Demokratie und Kirche
Der Inhalt:

Die Antreiber

von Josefine Janert vom 09.06.2017
Kirchenstrom, Holzpellets und preiswertes Recyclingpapier: Wie eine Umweltgruppe aus Potsdam die Kirchengemeinden für den Umweltschutz mobilisiert

Werner Lehmphul setzt auch privat auf Umweltschutz. Er hat das Dach seines Wohnhauses in Potsdam mit Hanf aus der Uckermark gedämmt. Hanf sei umweltfreundlicher als die Isolierung mit dem Kunststoff Styropor, erzählt Lehmphul stolz, während er entschlossen die Treppe nach oben steigt. Er zeigt auf eine Stelle im Gebälk, wo der Hanf offenliegt und befühlt werden kann. Warm und trocken ist er und riecht vertrauenerweckend nach Heimat. Lehmphul strahlt. Früher hat er beim Wetterdienst gearbeitet und seine Kollegen schon in der DDR-Zeit mit Vorschlägen zum Umweltschutz traktiert. Damals wurden Wetterkarten auf Papier gezeichnet, die später massenweise im Müll landeten. Er suchte nach Wegen, den Papierverbrauch zu senken. »Wo immer kostbare Rohstoffe eingesetzt werden, müssen wir überlegen, wie wir sparsam damit umgehen«, sagt er in einem Ton, der keinen Widerspruch zulässt.

Auf Werner Lehmphuls ausgebautem Dachboden trifft sich eine Umweltgruppe, acht Männer zwischen 47 und 80 Jahren mit großem Einfluss auf die kirchlichen Gremien in Potsdam. Sie haben von diesem Dachboden aus schon harte Kämpfe ausgefochten, scheuen sich nicht vor kräftezehrender Kleinarbeit. Auf einem Tisch vor ihnen liegen Faltblätter mit Werbung für ihren bislang größten Erfolg: den sogenannten Kirchenstrom. »Wenn Sie ihn bestellen, erhalten Sie zu hundert Prozent zertifizierten Ökostrom«, erklärt Georg Jatzwauk, Katholik und Sozialarbeiter. Das Besondere an dem Projekt: »Pro gelieferter Kilowattstunde fließen 1,5 Cent in einen Ökocentfonds«, sagt Jatzwauk mit stolzgeschwellter Brust. Aus diesem Fonds werden Umweltprojekte in der Region finanziert, etwa eine Zentralheizung auf der Basis von Holzabfällen oder ein Mikroblockheizkraftwerk.

Konrad Elmer-Herzig greift nach einem Keks und kommt auf die Theologie zu sprechen. »In der Bibel heißt es: Machet euch die Erde untertan.« Er wünsche sich, dass ein anderer Gedanke stärker in den Vordergrund tritt. In der Bibel heißt es nämlich auch, dass die Menschen die Erde »bebauen und bewahren« sollen, sagt er. Bis zu seiner Pensionierung war der hochgewachsene Mann viele Jahre Pfarrer der evangelischen Erlösergemeinde in Potsdam. Zur DDR-Zeit engagierte sich der damalige Berliner Studentenpfarrer in der Bürgerbewegung. Er gehörte zu den Mutigen, die dort am 7. Oktober 1989 die Sozialdemokratische Partei gründeten. Seine Durchsetzungskraft bringt er jetzt in den Umweltkreis ein.

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