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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2017
»Überall schwindet das Vertrauen«
Norbert Lammert über Medien, Demokratie und Kirche
Der Inhalt:

»Nach zwei Stunden brennen die Augen«

von Annette Lübbers vom 09.06.2017
Warum sich Eberhard Linckh (59) aus Stuttgart noch von Brücken abseilt und auf Hochhäuser klettert

Mich hat der Protest gegen Stuttgart 21 zu Robin Wood getrieben, der Aktionsgemeinschaft für Natur und Umwelt. Zusammen mit anderen Robin-Wood-Aktivisten habe ich in der Nacht Bäume im Mittleren Schlossgarten besetzt, damit man sie nicht so leicht abholzen konnte. Wenn ich heute in der Innenstadt bin, brennen mir manchmal schon nach zwei Stunden die Augen. Dann, wenn die Feinstaub- und Stickoxidwerte wieder mal zu hoch sind. Um dagegen zu protestieren, seile ich mich mit Bannern »bewaffnet« von Brücken ab und klettere mit Transparenten auf Hochhäuser. Ich habe mir sogar eine Nähmaschine besorgt und Nähen gelernt – damit ich die Transparente selber anfertigen kann.

Wir sind ein harter Kern von acht Aktivisten, doch bei Kampagnen kommen noch viele dazu. Im November 2016 haben wir Würfel mit einer Größe von zwei mal zwei Metern aufgepumpt und eine gesperrte Straße öffentlichkeitswirksam noch einmal gesperrt. Im März sind wir mit einer riesigen aufblasbaren Lunge durch die Innenstadt gezogen, um deutlich zu machen: Feinstaub aus Dieselfahrzeugen dringt bis in die kleinsten Lungenbläschen ein und kann dort Entzündungen verursachen.

Im Januar 2016 hatten wir in Stuttgart an neun Tage Alarm, weil die Grenzwerte überschritten waren. In diesem Jahr waren es im Januar – je nach Messart – schon 17 beziehungsweise 20 Tage. Selbst wenn an solchen Tagen von 2018 an keine Dieselfahrzeuge mehr auf besonders belasteten Straßen unterwegs sein dürfen: Die neue Gesetzgebung wird die Gesamtlage nicht groß verändern. Zumal die Einfahrten ohne blaue Plakette gar nicht zu kontrollieren sein werden. Ein bisschen was in Sachen Stickoxide mag es bringen. Aber der Feinstaub kommt ja nur zum Teil aus dem Auspuff, er entsteht auch durch Reifen- und Fahrbahnabrieb. Und den haben nun einmal alle Autos – selbst Elektrofahrzeuge.

Heute werden wir kommunal und auf Landesebene von Grünen regiert. Und was hat es gebracht? Nichts. Sind Arbeitsplätze denn wirklich wichtiger als unsere Gesundheit? Freie Fahrt für freie Bürger heißt es. Gut und schön. Aber gehört zu diesem Recht auf freie Fahrt auch das Recht, die Luft verpesten zu dürfen? Ich glaube nicht. Und deshalb engagiere ich mich weiter für eine Stadt, in der die Gesundheit und die Lebensqualität aller wichtiger sind als das Recht des Einzelnen auf Mobilität. Und ich hoffe, dass mehr Menschen den Weg zu Robin

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