Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2016
Klare Kante, neue Hoffnung
Der Katholikentag in Leipzig
Der Inhalt:

Wie konnte ich das nur glauben?

von Annette Lübbers vom 10.06.2016
Er war stolzer Salafist. Ein Tausendprozentiger. Jetzt steht Dominic Schmitz auf der Bühne und spielt, was er war: Musa Almani

Dominic Schmitz sitzt in einem türkischen Imbiss in Sichtweite des Kölner Schauspielhauses und verputzt Dönerfleisch mit Pommes. Zur Begrüßung setzt der 28-Jährige ein freundliches Lächeln auf. Sein Händedruck ist fest. Sein Blick gerade, seine Haltung selbstsicher. Ein junger Mann ohne besondere Auffälligkeiten: mittelgroß, kräftige Statur, blonde kurze Haare, blaue Augen, dünner Bartansatz. Auch die Klamotten vergisst man gleich wieder: Jeans, Turnschuhe, Sweater.

Vor elf Jahren war das noch anders. Da drehten sich die Menschen in Mönchengladbach um, wenn sie den jungen Mann sahen. Erstaunt. Ungläubig. Unsicher. Zu Recht. Denn Dominic Schmitz war damals Musa Almani, ein Teenager mit tausendprozentiger Gewissheit, ein gläubiger Nachfolger des Propheten Mohammed. Ein überzeugter Missionar für seine Sache. Im weißen, wallenden Gewand, mit Bart und weißer Gebetskappe oder rotweißem Turban stolzierte der frische Konvertit durch seine Heimatstadt. Damals glaubte er, »dass der schlechteste Muslim immer noch besser sei als der beste Ungläubige«.

Dominic Schmitz ist 17 Jahre jung, als er zum ersten Mal auf radikale Salafisten trifft. Er steht auf Markenklamotten, raucht Joints, hört Hip-Hop-Musik und hat Stress mit seinen Eltern. In der Schule fällt er »durch dumme Sprüche und Stören des Unterrichts auf«. Chillen war wichtiger als lernen. Einer seiner Freunde ist gebürtiger Marokkaner. Nach einem Aufenthalt in der Heimat seiner Eltern kommt sein Freund als »geläuterter Muslim« nach Hause. »In meinen Augen wirkte er ein wenig wie Robinson Crusoe. Seine Religion war ihm zum Lebensinhalt geworden. Er hatte etwas an sich, das mich nicht mehr losließ. In unserem Gespräch kam er immer wieder auf Gott und solche Sachen zurück. Und dass er sich unendlich glücklich fühle, den einzig wahren Herrn gefunden zu haben.« Dominic Schmitz ist beeindruckt: »Respekt, dass du weg bist von den Drogen, vom Alkohol, vom Partyleben, von der Abzieherei, hin zu einem gottgefälligen Leben.« Der junge Deutsche schließt sich seinem marokkanischen Freund an. Die deutschen Salafisten, die er nun kennenlernt, beindrucken den jungen Mann. »Die redeten von Gott, als würden sie abends mit ihm Tee trinken. Sie kamen mir erleuchtet vor – und das wollte ich auch sein. Wissen wollte ich nicht – nur glauben. Und den Glauben fand ich ja auch – wenn auch einen Kinderglauben. Wenn ich nur schön brav wäre und betete und studierte, dann wü

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen