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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2016
Klare Kante, neue Hoffnung
Der Katholikentag in Leipzig
Der Inhalt:

Seht, da ist die Grenze

von Britta Baas vom 10.06.2016
Gibt es ihn noch, den politischen Katholizismus? Ja, er ist wieder auferstanden! Katholiken verteidigen Demokratie und Menschenrechte

Es war ein Jubiläum, das da gefeiert wurde, und allein das machte es interessant, die Ohren zu spitzen: Würde der 100. Deutsche Katholikentag an die Kämpfe der Katholikinnen und Katholiken um Anerkennung im Staat, um demokratische Beteiligung, um Freiheit für und mit dem Katholizismus in bewegter Zeitgeschichte erinnern? Der Katholikentag erinnerte daran. Aber er tat es so gar nicht vergangenheitsselig, sondern zutiefst gegenwärtig, brisant und kämpferisch.

Herausgefordert durch einen neuen, starken Rechtspopulismus in Deutschland und flüchtlingsfeindlichen Nationalismus in immer mehr Staaten Europas, schwangen sich die Veranstalter und mit ihnen viele Teilnehmer zu einem emphatischen Bekenntnis zu Demokratie und Menschenrechten auf. »Wir sind massiv bedroht in Europa durch diesen neuen Nationalismus.« So beschrieb Thomas Sternberg, der Präsident des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken (ZdK), in einer spontan ins Programm genommenen Veranstaltung über die rechtsgelagerte, »seltsame Rückbesinnung auf das ›christliche Abendland‹« die allgegenwärtige Grenzerfahrung. Das ZdK und die Bischöfe hatten klar erkannt, dass es darum gehen würde, diesen hochemotional besetzten Begriff neu zu definieren – und seiner Vereinnahmung durch Bewegungen wie Pegida und Parteien wie die AfD etwas entgegenzusetzen.

Dieses Anliegen demonstrierte der Katholikentag bravourös. Zum einen gelang es, die Strategien und Denkfiguren der Rechtspopulisten aufzudecken, zum anderen hatte die verfasste katholische Laienbewegung darauf eine klare Antwort: Christsein und Ausgrenzung von Menschen aufgrund von Religion, Kultur oder Hautfarbe sind unvereinbar. Katholisch sein und Nationalist sein? Auch das wurde für unvereinbar erklärt »in einer grundsätzlich übernationalen Kirche« (Sternberg). Katholisch sein und Rechtspopulisten ein Podium geben? Das war aus Sicht der Veranstalter ebenfalls nicht drin. Kosequent hatte man keinen Vertreter der AfD auf Podien eingeladen, nach dem Motto: Seht, da ist die Grenze!

Über letzteren Punkt allerdings stritten sich Katholiken während der gesamten Dauer des Katholikentages. Es gab starke Stimmen – wie etwa die Frank Richters, des Direktors der Landeszentrale für politische Bildung in Sachsen –, die dafür warben, auch mit Rechtspopulisten zu reden. We

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