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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2015
Rettet das Singen
Über die Macht der eigenen Stimme
Der Inhalt:

Wo sind die Hungernden?

von Michael Schrom vom 05.06.2015
Der Papst als Spaßverderber auf der Expo in Mailand

»Die Welt ernähren. Energie für das Leben«. Das Motto der Weltausstellung in Mailand signalisiert Nachhaltigkeit und Verantwortungsbewusstsein. Doch in den futuristischen Länderpavillons präsentieren sich – teils offen, teils als Sponsoren – die wahren Weltherrscher der Ernährung: Multinationale Lebensmittelkonzerne wie Coca-Cola, Nestlé oder McDonald’s, die für den Hunger in der Welt mitverantwortlich sind. »Wir bringen Regierungen, Privatleute und Unternehmen zusammen«, rechtfertigt Kim Anderson, Sprecherin von Coca-Cola, die Präsenz. Was für ein Selbstverständnis: ein Limonadenkonzern in der Rolle des sorgenden Welternährungsmanagers.

Natürlich werden in den Pavillons viele kluge Texte über die Welternährungslage präsentiert. Aber in erster Linie ist das 2,5 Milliarden Euro teure Event ein Fest für Augen und Gaumen. »Wer will, kann sich auf zwei Kilometern einmal um die Welt schlemmen«, urteilt Christoph Schmidt, Korrespondent der Katholischen Nachrichtenagentur. Das Video-Grußwort von Papst Franziskus zur Eröffnung wirkte daher wie ein Stimmungskiller. Ins Zentrum dieser Weltausstellung gehörten die »Gesichter der Hungernden« und all jener, die erkranken, weil sie nur schlechte Nahrung zur Verfügung haben, kritisierte der Papst. Die Schau sei in gewisser Hinsicht selbst Teil eines »Paradoxes des Überflusses«. »Lassen Sie diese Expo zu einer Gelegenheit für einen Mentalitätswechsel werden, lassen wir die Vorstellung fallen, dass unsere tödlichen Handlungen keinen Einfluss auf das Leben derer haben, die Hunger leiden«, erklärte der Papst.

Allerdings steht auch die katholische Kirche in der Kritik. Die drei Millionen Euro, die der Vatikan, das Bistum Mailand und die italienische Bischofskonferenz für den Pavillon aufgewendet haben, sei eine höhere Summe als diejenige, die man 2014 für die Opfer von Ebola, verfolgte Christen im Irak oder für die Betroffenen der Hochwasserkatastrophe in Ligurien bereitgestellt habe, kritisiert die Zeitung Il Fatto Quotidiano. Kardinal Ravasi, im Vatikan für Kunst und Kultur verantwortlich, verteidigte den vatikanischen Pavillon als »Stachel im Fleisch der Märkte«.

Dass der Hunger zu den größten Menschheitsproblemen gehört – darüber sind sich alle einig. Strittig ist die Frage, wie man ihn am besten bekämpft. Zwei

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