Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2015
Rettet das Singen
Über die Macht der eigenen Stimme
Der Inhalt:

»Überlebensfragen sind nicht Privatsache«

von Bettina Röder vom 05.06.2015
Reformation radikal: Was im großen Jubiläumsjahr 2017 ansteht und was prominente Kritiker wollen.Ein Gespräch mit Altbischof Axel Noack

Publik-Forum: Herr Noack, Sie gehören zu einem Kreis von Theologen aus aller Welt, die eine radikale Sicht der Reformation einfordern. In welcher Hinsicht soll die Reformation radikalisiert werden?

Axel Noack: Radikalisieren klingt hochtrabend. Es geht darum, wie wir auf die Reformation schauen. Dazu gehört, auf die kleinen, radikalen Kirchen zu achten, die auch zum reformatorischen Erbe gehören.

Sie sagen, wir seien herausgefordert durch die Bibel und die Krise der Kirchen. Worin besteht die Krise?

Noack: Wir haben uns schon in Sicherheit geglaubt. Nun merken wir, wie schnell eine Friedensordnung brüchig werden kann. Auch in den reformatorischen Kirchen in Deutschland haben wir uns bequem eingerichtet. Wo hinterfragen wir unsere Gesellschaft noch radikal?

Was meinen Sie damit?

Noack: Nehmen Sie nur die Wirtschaft und vergleichen sie damit, was Martin Luther geschrieben hat über den Wucher. Er ist überzeugt: Wer wuchert, betrügt seinen Nächsten, ja nutzt sogar seine Not aus. Das kann man gut mit dem vergleichen, was der Papst gesagt hat: »Diese Wirtschaftsordnung tötet.«

Was heißt das für unser Land?

Noack: Die Reichen werden reicher und die Armen ärmer. Trotz Mindestlohn und dem Kappen von Managergehältern.

Wie sieht theologisch der Widerstand gegen die Herrschaft des Geldes aus?

Noack: Auch Luther meinte schon, dass wir nicht allein die Obrigkeit dafür verantwortlich machen können. Die weltweit großen Wirtschaftsplayer werden von unserer Rechtsordnung ja nicht mehr erfasst. Wir brauchen Wirtschaftsagierende, die sich bemühen, ein ehrbarer Kaufmann zu sein. Die müssen wir als Kirche ermutigen.

Was ist das Problem der Kirchen?

Noack: Kirchen haben teil an dieser Art der Wirtschaft. Sie verkaufen bzw. verpachten ihren Grund und Boden, so gut es geht.

Heißt das, Sie fordern eine Alternative zum Geldverkehr ein?

Noack: In der Bibel steht dazu deutlich: Gebt das Geld den Armen. Aber wie das in diesem Wirtschaftsleben funktionieren soll, das ist

PFplus

Weiterlesen mit Publik-Forum Plus:

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für »Publik-Forum«-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen