Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2015
Rettet das Singen
Über die Macht der eigenen Stimme
Der Inhalt:

»Ich weiß nicht weiter«

von Lea-Verena Meingast vom 05.06.2015
Sozialprotokoll: Die Nepalesin Prami Shreshta (51) hilft Armen und Benachteiligten in ihrer Heimat. Nun fühlt sie sich seit den Erdbeben selbst hilflos

Kurz vor dem ersten großen Erdbeben bin ich für Vorträge nach Deutschland gereist. Ich war zum Frühstück bei Bekannten, als mein Sohn mich anrief. Er lebt in der Schweiz und fragte mich, ob ich schon von den Neuigkeiten in Nepal gehört hätte. Zunächst begriff ich nicht, wie schlimm es war, weil es immer Erdbeben in Nepal gibt. Aber als er erzählte, dass der sechzig Meter hohe Dharahara-Turm kaputt ist und wie stark das Erdbeben war, bekam ich richtig Angst. Alle paar Minuten erreichten mich danach SMS und ich wurde sehr unruhig. So ging es dann auch weiter, als die starken Nachbeben folgten. Über Facebook konnte ich von meiner Familie erfahren, wie es ihr geht.

Wir hatten viel Glück. In meiner Familie sind alle gesund und unser Haus steht noch. Meiner Mutter, die 91 Jahre alt ist, geht es gut. Aber ich habe Angst um sie, sie schläft ja auch draußen in einem Zelt auf der Straße. In meinen Gedanken bin ich die ganze Zeit zu Hause bei meiner Familie.

Ich habe ein ganz schlechtes Gewissen hier, weil ich nicht helfen kann. Ich fühle mich einfach hilflos und weiß nicht weiter. Wahrscheinlich denken Leute sogar noch: »Die macht eine Reise nach Europa, statt in Nepal zu sein.« Aber ich denke, ich versuche hier auch etwas für meine Heimat zu tun, indem ich den Menschen von Nepal erzähle. Es ist auch wichtig zu berichten, wie schön es ist und dass es immer noch viele tolle Sehenswürdigkeiten gibt und es sich lohnt, in meine Heimat zu reisen. Man muss uns nicht nur mit Geld helfen. Es hilft auch, wenn Touristen nach Nepal kommen, das freut uns sehr.

Seit Ende der 1990er-Jahre habe ich verschiedene soziale Projekte mitgegründet. Ich will vor allem Frauen helfen, die keine Bildung und keine Arbeit haben. Durch das Mikrokreditprogramm Mahila Sahayogi Bachat Tatha Rin Sahakari Sanstha Ltd (Woman Support Cooperative) und die Treuhandgesellschaft Amrit-Prithvi Trust sollen Frauen die Möglichkeit haben, Bildung zu erlangen, eine Arbeit zu finden, ihr Geld zu sparen und durch Kredite Investitionen in ihre Zukunft zu tätigen. Im Hattiban Förderkreis und der Kinderhilfe Nepal Bamberg versuchen wir Kindern zu helfen und unterstützen völkerverbindende, kulturelle und gesundheitliche Projekte.

Ich hatte viel Glück in meinem L

PFplus

Weiterlesen mit Publik-Forum Plus:

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für »Publik-Forum«-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen