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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2015
Rettet das Singen
Über die Macht der eigenen Stimme
Der Inhalt:

Meilenstein der Energiewende

von Franz Alt vom 05.06.2015
Warum die Umwandlung der insolventen Windkraftfirma Prokon in die größte Energiegenossenschaft Deutschlands eine große Chance ist

In den nächsten Wochen wird entschieden, ob die insolvent gegangene Windfirma Prokon vom Energieriesen EnBW übernommen oder in eine Bürgerenergiegenossenschaft überführt wird. Der Ausgang dieses Kampfes könnte ein Meilenstein der Energiewende werden.

Die Geschichte von Prokon begann gut und endete bitter: Die Unternehmens gruppe plante und betreibt Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energie, hauptsächlich Windkraftanlagen. Durch massive Werbung in S-Bahnen, im Fernsehen, in Zeitungen wie auch in Publik-Forum mit dem Versprechen von Zinsen bis zu acht Prozent haben 75 000 Anleger Genussrechte an Prokon erworben, die immerhin 1,4 Milliarden Euro einbrachten.

Anders als die meisten anderen Ökofirmen warb Prokon auch mit Argumenten für eine bessere Welt. Viele Altachtundsechziger, Alternative und Grünen-Freunde ließen sich auf diese Weise locken. Prokon-Gründer Carsten Roderus, stets mit langem grauem Zopf geschmückt, hatte auch Bärtigen mit Rucksack und T-Shirt den Traum von einer »lebenswerten Zukunft« und einem »ökologischen Wirtschaftswunder« zu vermitteln verstanden.

Eine Zeit lang gingen die Geschäfte ganz gut, aber Anfang 2014 geriet das Unternehmen in eine ökonomische Schieflage. Prokon musste Konkurs anmelden. Roderus werden undurchsichtige Geldanlagen vorgeworfen – und eine undurchsichtige Geschäftspolitik. Die Gläubiger waren entsetzt. Da Genussrechte zum Eigenkapital zählen, ist das eingezahlte Geld bedroht.

Doch ein offenbar geschickter Konkursverwalter hat nun den einst charismatischen Chef entmachtet, führt die Geschäfte fort und hat inzwischen einen intelligenten Konkursplan entwickelt. Er hofft, knapp die Hälfte der 1,4 Milliarden einbezahlter Euro retten zu können. Die 54 Windparks laufen weiter und produzieren munter Ökostrom.

Gleich nach der Anmeldung der Insolvenz haben sich im ganzen Bundesgebiet unter den 75 000 Geldgebern Anlegergruppen gebildet, die auch weiterhin an gute Geschäfte mit Ökostrom glauben: die Freunde von Prokon. Sie wollen die Umwandlung des Unternehmens in eine Bürgerenergiegenossenschaft. Doch inzwischen haben die Freunde von Prokon Konkurrenz bekommen. EnBW, einer der vier großen Energiekonzerne, will Prokon für 550 Millionen Euro übernehmen. Jetzt heißt die Wahl: Bürgerenergie in einer Genosse

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