Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2014
Gebt den Kindern das Spiel zurück!
Wie fairer Fußball geht
Der Inhalt:

Die 10 000-Euro-Frage

von Barbara Tambour vom 13.06.2014
Wenn Laien Gemeinde leiten – sind sie dann noch Ehrenamtliche? Und dürfen sie das überhaupt?

Wie nennt man einen Menschen, der im Dorf oder im Stadtteil das Gesicht der Kirche ist? Nein, nicht Pfarrer – den gibt es dort schon lange nicht mehr. Auch die Gemeindereferentin hat ihr Büro etliche Dörfer oder Ortsteile weiter. Das »Gesicht der Kirche« ist – oft – eine Frau um die fünfzig, die man anspricht, wenn man etwas von der Kirche will, und in deren Wohnzimmer das Pfarrfest oder die Gräbersegnung an Allerseelen vorbereitet werden. Demnächst könnte diese Frau – so sie im Bistum Osnabrück lebt – von ihrem Bischof zur »Bezugsperson« ernannt werden.

Traditionell nannte man die Helfer des Pfarrers »Ehrenamtliche«. Doch mancherorts sind diese Ehrenamtlichen keine Helfer mehr, sondern sie selbst gestalten und leiten die Kirche vor Ort. Denn es gibt immer weniger Priester, die Pfarreien werden durch Zusammenlegung größer, und der Pfarrer kommt an den vielen Kirchorten nur noch zum Sonntagsgottesdienst vorbei. Auch das Pfarrbüro ist meist in den Zentralort verlegt worden.

Ein alternativer Begriff zu »ehrenamtlich« wurde bei der Veranstaltung »Gemeinde braucht Menschen, die da sind« nicht gefunden. Obgleich die Moderatorin derjenigen Person 10 000 Euro versprach, die einen besseren fände. Deutlich hingegen wurde im Katholikentags-Zentrum »Kirche vor Ort«, dass etliche Diözesen begonnen haben zu experimentieren: »Laien«, also Männer und Frauen aus den Pfarreien, werden zu »ehrenamtlichen Gemeindeleitern« (Bistum Hildesheim) oder zu »Bezugspersonen« ernannt (Bistum Osnabrück). »Gemeindeleitung in Gemeinschaft« (Bistum Aachen) heißt, dass Haupt- und Ehrenamtliche zusammen mit dem Priester eine Gemeinde leiten. Oder einer Leitungsgruppe aus Laien, Equipe genannt, wird die Verantwortung für einen Kirchort anvertraut (Erzbistum Köln).

Doch wie gewinnt eine Pfarrei Menschen für eine so anspruchsvolle Aufgabe? Und für all die anderen Tätigkeiten vom Küsterdienst über Katechetentätigkeit, Hausbesuche und das Rasenmähen? Der verbliebene Rest der in der Kerngemeinde Engagierten stöhnt doch schon jetzt, dass immer mehr Arbeit auf immer weniger und immer älteren Schultern laste. Martin Wrasmann, stellvertretender Leiter der Hauptabteilung Pastoral im Generalvikariat Hildesheim, gibt sich, wie irgendwie alle hauptamtlichen Hildesheimer, unsagbar optimistisch: »Das Maß der Gaben ist unerschöpflich. Und die Leute sind bereit, Verantwortung zu übernehmen.«

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen