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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2014
Gebt den Kindern das Spiel zurück!
Wie fairer Fußball geht
Der Inhalt:

Der Traum von den neuen Sommerschuh en

Immer mehr Menschen droht Armut im Alter. Doch das Rentenpaket der Großen Koalition ändert daran wenig. Jetzt melden sich die Kirchen zu Wort

Und wieder nix. Jetzt schreib ich an die Frau Nahles.« Adelheid Müller lacht, sie ist beim jüngsten Rentenpaket. Es ist ein unbeschwertes, mädchenhaftes Lachen. Eine 78-Jährige vermutet man dahinter nicht. Schon gar nicht eine Frau, die 38 Jahre Berufsleben als ausgebildete Röntgenassistentin hinter sich hat und nun schon seit Langem in der Altersarmut lebt. »Das tut weh«, sagt sie, und ihre Stimme wird leise. »Besonders, wenn ich Sehnsucht nach meinen Nichten und Neffen und Großenkeln habe und sie – die selbst nicht viel haben – nicht mal zu mir einladen kann.« Die Frau, die für ihr Leben gern verreist, fügt hinzu: »Geschweige denn, dass ich zu ihnen fahren kann.« Auch ihren Traum, noch einmal in dem ihr verbleibenden Leben nach Breslau zu reisen, hat sie längst aufgegeben. Und Kultur, wenn die Karte mehr als zehn Euro kostet, kann sie sich längst nicht leisten. Dann lacht sie wieder: bei dem Gedanken, dass sie früher das mit dem Geld gegenüber anderen nicht zugeben wollte. Da hat sie immer gesagt, sie habe keine Zeit. Das hat sie sich nun um der Selbstachtung willen abgewöhnt.

930 Euro netto bekommt sie im Monat, 340 Euro gehen für die Wohnung weg. Kalt. 45 Quadratmeter ist sie groß. Eng gebaut auf dem Gelände einer Fischfabrik in einem Vorort von Lübeck. Fünf Euro kostet die Busfahrt in die Stadt, hundert Euro will sie jeden Monat beiseite legen, was sie nicht immer schafft. »Für Notfälle, Medikamente und Kleidung, jetzt sind mal ein paar Sommerschuhe dran.« Wieder lacht sie. Mit den 250 Euro, die sie sich vorgenommen hat, im Monat für das Essen auszugeben, kommt sie nicht aus. Sie hat eine Weizenallergie, da kostet alles etwas mehr.

Als Röntgenassistentin an der Berliner Charité hat sie zu DDR-Zeit