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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2013
Götzen, Geld und die Gerechtigkeit
Was Christen heute herausfordert
Der Inhalt:

Grenzerfahrung

von Rainer Heubeck vom 14.06.2013
Pilgern auf der Via Nova von Bayern nach Tschechien

Wer sich auf eine Pilgerreise begibt, der muss weit weg fahren und alle Brücken hinter sich abreißen? Keineswegs – das jedenfalls glauben Claudia Buchner, Simone Krampfl und Jozef Stemperk. Die drei sind Pilgerwegbegleiter auf der Via Nova. Die Via Nova ist ein Pilgerweg, der in den vergangenen zwölf Jahren neu erdacht und umgesetzt wurde. Ein Weg, der durch die unmittelbare Heimat der drei Pilgerwegbegleiter führt – den Osten Bayerns und den Westen Tschechiens. Ein Pilgerweg, der Grenzen überwindet, und das in mehrerlei Hinsicht – zum einen, weil er bei Buchwald von Bayern nach Tschechien führt und auf beiden Seiten mit dem gleichen gelben Schildern markiert ist. Zum anderen, weil er zwar von der katholischen Pilgertradition inspiriert ist, sich aber als konfessionsübergreifender Pilgerweg versteht. Auf der Strecke finden sich mehrere Gedenkstätten, die an die jüdischen Traditionen in Westböhmen erinnern, die von den Nazis weitgehend ausgelöscht wurden: Das Simon-Adler-Museum in Gutwasser ist einer dieser Orte, aber auch die Bergsynagoge in Hartmanice, die mit privaten Mitteln renoviert und zum Museum umgebaut wurde.

Doch nicht nur der jüdische Glaube hat seinen Platz auf einer Pilgerwanderung entlang der Via Nova. Wer mit der Pilgerwegbegleiterin Claudia Buchner unterwegs ist, kann mit der praktizierenden Buddhistin auch über die Grundzüge der fernöstlich inspirierten Religion diskutieren. »Im Buddhismus gibt es kein Schuld-und-Sühne-Denken, es gibt keine außenstehende Instanz, keinen Gott und auch keine Opferrolle. Im Zentrum unseres Glaubens steht die Selbstverantwortung. Zu allem, was passiert, hat man selbst irgendwie die Samen gelegt – und jetzt geht es darum, damit umzugehen«, erläutert Claudia Buchner. Wer sich mit ihr auf die Via Nova begibt, weiß, dass sie praktizierende Buddhistin ist. Doch als Pilgerwegbegleiterin geht es ihr nicht darum zu missionieren. »Das Begleiten steht im Mittelpunkt. Viele Menschen, die sich auf eine Pilgerwanderung begeben, durchleben gerade eine Krisen- oder Umbruchsituation in ihrem Leben«, weiß Claudia Buchner, die durch den Einsatz als Pilgerwegbegleiterin ihre Heimat neu kennengelernt hat. Eine ihrer Lieblingsstellen entlang der Via Nova ist die Buchberger Leite, eine Wildbachklamm zwischen Freyung und Ringelai. »Dort ist es wunderschön, man sieht riesige Felsen und dichtes Moos – und man hat den Eindruck, dass

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