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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2013
Götzen, Geld und die Gerechtigkeit
Was Christen heute herausfordert
Der Inhalt:

Flagge zeigen

von Knut Henkel vom 14.06.2013
Knapp zwei Dutzend Schiffe protestierten: Wenn Moorburg ans Netz gehen sollte, verbrauchen wir Kohle, die unter menschenunwürdigen Bedingungen gefördert wird

Olga« heißt die Barkasse von Magdalena, und auf der prangt das Transparent mit dem Slogan »Keine Kohle aus Kolumbien«. »Ich stehe voll dahinter, denn es kann doch nicht sein, dass wir in Hamburg Kohle aus Kolumbien verheizen, die erst durch die Verletzung von Menschen- und Arbeitsrechten gefördert werden kann«, erklärt die Frau mit dem graumelierten Lockenkopf. Sie fährt professionell durch die zahlreichen Hafenbecken. Mit der Barkasse ist sie regelmäßig zwischen der Speicherstadt und der Veddel unterwegs, um Hamburgern und interessierten Besuchern die weniger bekannten Facetten des größten deutschen Hafens aufzuzeigen. Hamburg im Kolonialismus oder der Handel mit der Dritten Welt sind dann Thema. Kohle gehört bisher noch nicht zum Programm der Touren, obwohl der Import von Steinkohle über den Hamburger Hafen in den vergangenen Jahren merklich gestiegen ist. Das geplante Ende der deutschen Förderung 2018 sorgt für ein kontinuierliches Ansteigen der Importe aus Russland, den USA und Kolumbien.

Für die Menschen im Hamburger Hafen hat das Folgen. »Bei Westwind kommt der ganze Dreck bei uns im Travehafen an«, ärgert sich Boris F. Er lebt auf einem neun Meter langen Lotsenboot im Hafen und schimpft, dass Innovationen im Hafen kaum vom Fleck kommen. »Das betrifft das Verbrennen von altem giftigen Diesel in der Schifffahrt genauso wie die Verstromung von Steinkohle. Mit den Emissionen müssen wir Anwohner klarkommen, und deshalb zeige ich Flagge auf der Elbe«, erklärt er und deutet auf das Transparent, welches an seinem Boot angebracht ist. »Nicht Kolumbien plündern – Moorburg verhindern« steht darauf.

»Warum muss die Kohle von so weit herkommen, und warum sollen wir hier ein Kraftwerk beherbergen, das alle vier Tage den Inhalt eines Kohlefrachters verfeuert – nämlich 60 000 Tonnen«?, fragt Boris. Unbequeme Fragen an die Politik und an den schwedischen Konzern, der nach eigenen Angaben der fünftgrößte Stromproduzent Europas ist, aber nicht nur in Hamburg voll auf Atomkraft und Kohle statt auf regenerative Energien setzt. Dagegen wollen Magdalena und Boris Flagge setzen, und als Termin hatte sich das Hamburger Bündnis gegenstrom.13 den Hafengeburtstag ausgesucht. Gemeinsam mit einigen anderen Umwelt- und Menschenrechtsaktivsten ist der 49-jährige Volker Gajewski vor rund einem Jahr auf die Idee gekommen, eine symbolische Blockade auf der Elbe anzumelden. Sie wollen ein

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