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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2012
Die Zeit des Gehorsams läuft ab
Nach dem Katholikentag
Der Inhalt:

»Die Kirche muss barmherzig sein«

von Thomas Seiterich vom 05.06.2012
Die Pfarrer-Initiative aus Österreich findet auch in Deutschland Unterstützung. Fragen an Andreas Krause von der Aktionsgemeinschaft Rottenburg

Herr Pfarrer Krause, Sie sind Vorstandsmitglied der »Aktionsgemeinschaft Rottenburg« (AGR), einer Priestergruppe mit 154 Geistlichen in Württemberg. Sie gehen mit einem Dokument an die Öffentlichkeit, das Wellen schlägt: »Unsere Positionen im Dialogprozess«. Wofür treten Sie ein?

Andreas Krause: Wir wollen eine katholische Kirche, die von Grund auf menschenfreundlich ist. Eine Kirche, die dem befreienden Wirken des Heiligen Geistes Raum gewährt. Eine Kirche, die die Menschen von heute mit ihren Nöten nicht allein lässt, sondern barmherzig ist. Eine Kirche, die den Leuten beisteht. Unser bewusst knappes Positionspapier versammelt, wofür wir seit über vierzig Jahren einstehen. Wir schließen wiederverheiratete Geschiedene nicht von den Sakramenten aus. Nichtkatholische Christen, die bewusst im Glauben die Eucharistie mitfeiern, laden wir in unsere Mahlgemeinschaft ein. Dies sind Forderungen, die wir bereits umsetzen. Es ist uns wichtig, diese neue Wirklichkeit nicht zu verheimlichen aus Furcht vor irgendwelchen Kirchenoberen.

Welche Rolle spielen Sie im Bistum? Stehen die Reform-Priester am Rand?

Krause:Keineswegs. Wir AGR-Mitglieder sind auf fast allen Ebenen der Diözese Rottenburg-Stuttgart aktiv. Man kommt an uns nicht vorbei. Deshalb haben sämtliche Rottenburger Bischöfe den – mitunter konfliktreichen – Dialog mit uns gepflegt. In anderen Bistümern Deutschlands wurden Priester- und Solidaritätsgruppen von den Bischöfen ausgegrenzt oder systematisch benachteiligt. So etwas gab es bei uns nie.

Wie würden Sie die Spiritualität Ihrer Priestergruppe umreißen?

Krause: Es gibt uns seit dem 5. März 1969. Seit damals tritt die AGR dafür ein, die Aufbrüche des Zweiten Vatikanischen Konzils, die Impulse der Würzburger Synode der deutschen Katholiken und die der Rottenburger Diözesansynode vor Ort in den Gemeinden zu verwirklichen. Wir konzentrieren uns darauf, in den Nöten zu helfen, auf die wir als Priester und Diakone in den Gemeinden stoßen. Außerdem handeln wir solidarisch, wie eine Priestergewerkschaft. Offenbar wirken wir anziehend: Es kommen immer wieder junge Geistliche zu uns.

Wie stehen Sie zur Pfarrer-Initiative in Österreich und deren »Aufruf zum Ungeho

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