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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2012
Die Zeit des Gehorsams läuft ab
Nach dem Katholikentag
Der Inhalt:

Neue Räume für die Seele

von Hartmut Meesmann vom 05.06.2012
»Kirche für Beginner« und andere Aufbrüche zeigen: Nur wenn die Christen den Menschen wirklich zuhören, gibt es für die Kirche eine Zukunft

Die junge Frau steht breitbeinig auf der Bühne des Audi Max der Universität, beide Hände in die Hüften gestemmt. Ihre Körpersprache sagt: »Her mit den Fragen.« Und: »Ich werde euch schon was erzählen!« Die 32-jährige »Ex-Marathon-Läuferin, Ex-Atheistin und Ex-Novizin einer Ordensgemeinschaft«, wie sie sich selbst bezeichnet, ist im Bistum Hildesheim fest angestellt: als Referentin im Fachbereich »Missionarische Seelsorge«. Sie soll dafür sorgen, dass das Projekt »Kirche für Beginner« im Bistum Hildesheim weitere Fortschritte macht.

Und so erzählt Annette Reus bei der Veranstaltung »Raus aus der Wagenburg« von soul side linden, einer Initiative inmitten des multikulturellen und alternativen Stadtteils Linden in Hannover. Ökofreaks, Studierende, junge, sozial schwache Menschen mit Migrationshintergrund – sie treffen sich in einem Café, dem »Raum für die Seele«. Dort können sie ihre Fragen, Sehnsüchte, Ängste und Vorbehalte offen aussprechen. Alle hatten bislang mit Religion, Christentum und Kirche nichts im Sinn, sind aber inzwischen neugierig geworden. Sie genau sind die Zielgruppe des Projekts »Kirche für Beginner«.

Das Team, zu dem bis vor einem Jahr auch Annette Reus gehörte, bietet Glaubensgespräche (soul talk) an – auch schon mal im Tattoo-Studio oder auf dem Friedhof –, offen gestaltete Nachtgebete mit meditativen Elementen, Filmabende, Kunstinstallationen mit örtlichen Künstlern – alles ausgerichtet an den Erwartungen und Wünschen dieser suchenden Menschen.

Ähnliche Projekte soll Annette Reus, die sich als »Experimentalistin aus Überzeugung« bezeichnet, nun im Bistum aufbauen helfen. »Und Sie haben dafür freie Hand?«, wird die hagere junge Frau etwas skeptisch gefragt: »Ja«, ist ihre Antwort, »sonst würde ich sofort aufhören.« Man glaubt es ihr aufs Wort.

»Kirche für Beginner« stammt aus England. Dort hat die anglikanische Kirche, bedroht von öffentlichem Desinteresse und einem großen Mitgliederschwund, vor Jahren die Bewegung fresh expressions ins Leben gerufen. Es geht dabei um die gezielte Neugründung von kleinen Gemeinschaften in kirchenfernen Milieus. Chris Edmondson, der Bischof von Manchester, erläutert in Mannheim, wie wichtig es für seine Kirche inzwischen geworden ist, offener auf die Menschen in ihren ganz unterschiedlichen Lebenszusam

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