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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2012
Die Zeit des Gehorsams läuft ab
Nach dem Katholikentag
Der Inhalt:

Die Beobachterin

Schonungslos – und voll vorsichtiger, empfindlicher Menschlichkeit. Gabriele Wohmann schreibt über Ungetröstete, ohne dass sie Trost anbietet, über Unglückliche und Suchende, ohne Antworten zu geben

Die Darmstädter Mathildenhöhe mit ihren berühmten Jugendstilbauten und der angrenzende Park Rosenhöhe mit dem imposanten Portal aus sechs auf hohen, zierlichen Backsteinsäulen thronenden Löwen sind jedes Mal aufs Neue beeindruckend. Hier entdecke ich bei meinem letzten Besuch der Schriftstellerin Gabriele Wohmann, die gerade ihren achtzigsten Geburtstag beging, das bronzene Standbild ihres Kollegen Karl Krolow. »Der Dichter als flüchtiger Erdengast« ist die Skulptur des Künstlers Thomas Duttenhöfer betitelt; eine Bezeichnung, die auch auf Gabriele Wohmann in besonderer Weise zutrifft. Denn mit dem Thema hat die Darmstädter Pfarrerstochter sich intensiv beschäftigt. Auf der Pinnwand über ihrem Schreibtisch im Atelierhaus auf der Darmstädter Rosenhöhe, in dem sie mit ihrem Mann bis 1992 wohnte, hatte sie eine Fülle von Zetteln mit Gedanken, Notizen, Zitaten, Zeitungsausschnitten angeheftet. Einer davon, ein gelb gewordener Zettel: »Man lebt und weiß den Tod. Alles andere ist Beschäftigungstherapie« (James Joyce). »Würde doch der Tod richtig verstanden, als der Übergang zum wahren – wenn auch zugegebenermaßen leider unbekannten – Sein, dann nur könnte vernünftig gelebt und gestorben werden. Mit dem Sterben gelebt werden«, so steht es in ihrem Roman »Schönes Gehege« zu lesen.

Das erste Interview, das ich mit Gabriele Wohmann für diese Zeitschrift führte, liegt mehr als zehn Jahre zurück. In den folgenden Jahren haben wir uns regelmäßig gesehen und geschrieben, und es entwickelte sich eine vertrauensvolle Freundschaft zwischen uns. Eine Autobiografie hat sie nicht schreiben wollen. Umso mehr habe ich mich gefreut, als sie zustimmte, dass ich eine Biografie über sie schreibe.

Seit ihrem Debüt 1957 hat Gabri