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Musikalische Brücken zu Hölderlin

von Steven Thomsen vom 29.05.2020
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Pop und Poesie. Wie gut sich Folkrock selbst mit schwer zugänglicher Lyrik verträgt, zeigt das Bremer Quartett »Die Grenzgänger« auf seinem elften Album »Hölderlin«. Anlass ist der 250. Geburtstag des Dichters, dessen Oden, Elegien und Gesänge sich einer heutigen Leserschaft nicht ohne Weiteres erschließen. Mit ihren vierzehn Kompositionen zwischen Chanson und Folk, Soul und Blues bauen die Grenzgänger Brücken, die tatsächlich einen neuen Zugang zu den Texten ermöglichen. Dabei lassen sich die Musiker auch nicht von fünfhebigen Trochäen (»Hymne an die Freiheit«), reimlosen Distichen (»Der Wanderer«) oder alkäischen Strophen (»Abendphantasie«) einschüchtern. Am beeindruckendsten erscheint die Umsetzung des einzigen Prosastücks: Das soulig unterlegte »So kam ich unter die Deutschen«, Hyperions zornige Brandrede wider die »Barbaren von alters her«, hat durch seine flugs zum mitreißenden Refrain umgestaltete Eingangszeile, jawohl, Hitpotenzial. Überhaupt gefallen die luftigen Arrangements von Akustikgitarre, Akkordeon, Geige und Cello. Die Leichtigkeit in Stücken wie »Lebenslauf«, »Die Ehrsucht« oder »Blödigkeit« (hier im Sinne von Schüchternheit zu verstehen) bildet einen spannenden Kontrast zu den oft melancholischen Zeilen – alles in allem eine feine Hommage an den Freiheitsdichter Hölderlin.

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