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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2020
»Die Zeit läuft uns weg«
Ein Gespräch mit Georg Bätzing
Der Inhalt:

Der Aussteiger

von Eva-Maria Lerch vom 29.05.2020
Aufgefallen: Derek Black (27) war der Jungstar der weißen Rassisten in den USA – bis er von einem Kommilitonen zum Sabbat-Mahl eingeladen wurde

Als Derek Black sich am New College in Florida einschrieb, wusste er wohl, dass er sich damit in ein fremdes Milieu begab. Denn er war so etwas wie der Kronprinz der weißen US-amerikanischen Rassisten – und das New College eine kleine, linke Universität.

Dass er überhaupt dorthin ging, erklärt der junge Mann mit den roten Haaren sich heute damit, dass er »neugierig« war. Bis dahin hatte er ausschließlich in einem rechts-nationalistischen Umfeld gelebt: Sein Vater Don Black war eine führende Figur des Ku-Klux-Clans, zu Hause verkehrten Rassentheoretiker und rechte Skinheads. Weil seinen Eltern die schwarzen Lehrer nicht gefielen, unterrichteten sie ihn im Homeschooling. Bereits mit 15 Jahren gründete Derek eine Radiosendung, in der er rechte Ideologien mit Country-Musik kombinierte, um ein breiteres Publikum zu erreichen.

Am New College aber behielt er seine Ideologie zunächst lieber für sich. Er lernte viele Leute kennen, die er zuvor als Aktivist bekämpft hatte: Studenten mit schwarzer Hautfarbe, Latinos und Kommilitonen jüdischen Glaubens. In seiner ruhigen, zuhörenden Art fand Derek Black viele Freunde – produzierte aber weiterhin heimlich Beiträge für den rechten Sender seines Vaters. Das Doppelleben fiel ihm immer schwerer, und eines Tages flog er auf: Jemand hatte seinen Namen gegoogelt, die Kommilitonen waren außer sich und forderten öffentlich den Rausschmiss des Rassisten.

Mathew Stevenson, ein orthodoxer Jude, lud den Mitstudenten dagegen zu einem Sabbat-Mahl ein. »Ich habe mir keine großen Hoffnungen gemacht, dass ich ihn von seiner antisemitischen Haltung abbringen könnte«, sagt er heute. »Aber er sollte wenigstens einmal einem Juden gegenüber gesessen haben.« Und Derek Black nahm die Einladung an, weil er »nichts mehr zu verlieren hatte«.

Das Thema Politik wurde bei dem Essen bewusst vermieden, alle waren erstaunt, wie sympathisch sie sich waren, und Derek kam nun jeden Freitagabend. Irgendwann, so erzählt der 27-Jährige, sei seine rechte Gesinnung dann in sich zusammengefallen. Black, der Jungstar der rechten US-Nationalisten, sagte sich öffentlich los: Er fühle sich mitschuldig am Rassismus in den USA und den fatalen Folgen, etwa dem Anschlag in Charlottesville 2017, wo viele Schwarze getötet wurden, bekannte er im Internet. Inzwischen kämpft er öffentlich gegen Rassenhass, entlarvt als Insider d

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