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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2019
Die Kunst, den Kapitalismus zu verändern
Eine Annäherung in fünf Schritten
Der Inhalt:

Buch des Monats: Schlüssel zu Mut und Mitgefühl

von Norbert Copray vom 24.05.2019
Wie mit der Ambivalenz guter Eigenschaften umzugehen ist

Joan Halifax
Gratwanderung
Achtsame Ethik für ein nachhaltig bewusstes Leben. O. W. Barth. 368 Seiten. 19,99 €

Ihr Leben ist ein Leuchtturm. Die US-amerikanische Anthropologin, Religionswissenschaftlerin, Zen-Meisterin mit christlichen Wurzeln, Ökologin, Bürgerrechtlerin, Friedenskämpferin und Hospizpflegerin Joan Halifax leitet das Zen-Center der von ihr 1990 gegründeten Zen-Peacemaker-Gemeinschaft Upaya in Santa Fe, New Mexico (USA). Zur Meisterin berufen wurde sie von den Zen-Meistern Bernard Glassman und Thich Nhat Hanh.

In den 1970er-Jahren arbeitete sie in LSD-Forschungsprojekten zu Nahtoderfahrungen, zusammen mit Stanislav Grof, mit dem sie kurze Zeit verheiratet war. Als Buddhistin engagierte sich Halifax in einem von ihr gegründeten Projekt, in dem sie Ärzten, Krankenschwestern und Pflegern todkranker Patienten und diesen selbst Techniken zum »Mit dem Sterben zusammen sein« vermittelte. Ein reiches, engagiertes Leben von bald 77 Jahren. Aus ihm heraus ist ihr Buch »Gratwanderung« entstanden, in dem sie nicht nur für eine »achtsame Ethik für ein nachhaltig bewusstes Leben« eintritt, sondern auch profund Begründung, Nachdenken und Anleitung dazu anbietet. Es ist ein Wegweiser für die Zukunft der Menschheit und des Planeten.

Halifax hat »fünf innere und zwischenmenschliche Eigenschaften« identifiziert, die den »Schlüssel zu einem mitfühlenden und mutigen Leben darstellen und ohne die wir weder etwas Gutes tun noch überleben können«: Altruismus, Empathie, Integrität, Respekt und Engagement. Wer nun glaubt, deren Bedeutung schon zu kennen und zu wissen, wie sie zu verwirklichen sind, dürfte in etlichen Punkten irren. Das ist das Großartige an diesem bereichernden Buch.

Denn Halifax befasst sich mit der Ambivalenz dieser »Ressourcen«, mit dem schmalen Grat, auf dem man in gefährliche Zustände geraten und abstürzen oder selbst riskante Zustände befördern kann. Gratwanderung bedeutet also, das gute Potenzial der Fähigkeiten zu erkennen und zu gestalten mit der Achtsamkeit für die notwendige Balance – damit es nicht zu einem pathologischen Altruismus kommt, zu einem emphatischen oder moralischen Leiden, zu Respektlosigkeit oder zur unerträglichen Strapaze.

Halifax verbindet psychologisches Wissen, Erfahrung, philosophische Reflexion und weitschauende Ethik mit den konst

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